Erdkugel schwebt in Kirche als Kunstinstallation

GAIA – Mutter Erde zu Gast in Mainz

Ich habe es noch geschafft! Pünktlich zum letzten Ausstellungstag konnte ich mir die Ausstellung GAIA – Erlebe das blaue Wunder des Künstlers Luke Jerram in der Mainzer Christuskirche anschauen. Es war eine tolle Erfahrung. Und der Blick von oben auf unsere Welt war zugleich ein Blick tief nach innen. Diese Kugel bewegte nicht nur sich, sondern auch mich.

Mit einem Durchmesser von sieben Metern war der Anblick schon beeindruckend. Unter der Decke der Christuskirche schwebend, drehte sich das Erdenrund langsam aber beständig. Halt ein riesiger Globus, könnte man sagen. Doch das Kunstwerk ist mehr. Es macht etwas aus dem Besucher, wenn er es zulässt.

Erdkugel schwebt in Kirche als Kunstinstallation

Ein Globus zeigt gewöhnlich Ländergrenzen, Gaia ist dagegen grenzenlos. Und alleine das war schon beeindruckend. Wir Erdlinge sehen und hören jeden Tag von Ländergrenzen, von Grenzüberschreitungen, von Kriegen und Eroberungen neuer Gebiete, von Besatzung und Befreiung. Gaia, also die Erde, kenn diese Grenzen nicht. Kein Vogel hält sich an Ländergrenzen, kein Wind, keine Wolke, kein Sonnenstrahl. Nur Menschen sind derart begrenzt, abgesehen von ihrer Gier.

Erdkugel schwebt in Kirche als Kunstinstallation

Und beim Anblick dieser Original-Ansichten der Erde, erstellt aus NASA-Aufzeichnungen, kam mir noch mehr in den Sinn: Die Erde kennt nur eine Grenze. Und das ist die zwischen Atmosphäre und Weltall, zwischen Leben und Tod. Das ist die Grenze dieses Planeten zur lebensfeindlichen, eisigen und luftleeren Umgebung da draußen. Wir alle sitzen in diesem riesigen, kugelartigen „Raumschiff“. Ob nun in weiterer Entfernung ein erdähnlicher Planet mit lebensfreundlicher Atmosphäre existiert, sei dahingestellt. Entdeckt wurde er noch nicht, erreichbar ist er nach Stand der heutigen Technik auch nicht. Und dann ist ja die Frage, wer dort wohnt. Und ob er uns Menschen als Flüchtlinge aufnehmen würde, wenn wir die Erde schließlich zu einer lebensfeindlichen Kugel verwandelt haben.
Wir selbst sind ja nicht einmal gewillt, unsere eigenen Artgenossen aufzunehmen, und lassen sie lieber im Mittelmeer ertrinken. Warum sollten daher andere uns eine neue Heimat bieten?

Erdkugel schwebt in Kirche als Kunstinstallation

Als ich die Kirche verlassen hatte, kam mir beim Anblick der Stadttauben, passend zum heutigen Welttierschutztag, weitere Gedanken in den Sinn: Der Mensch zieht die Grenze zwischen lebenswert und Schnitzel, zwischen Nutz- und Haustier. Die singende Amsel ist toll, der Adler majestätisch, der Storch bringt die Kinder und der Schwan ist elegant. Die Taube ist als Zuchttier geachtet, früher hat sie Schlachten entschieden. Heute wird sie verjagt und gehasst, nachdem man sie zunächst gezüchtet und dann ausgesetzt hatte, in eine völlig ungeeignete Umgebung.

Christuskirche in Mainz mit Sonne hinter grauem Himmel

Oh ja, die Menschheit ist so weit entfernt von der Natur, so weit entfernt von der Grenzenlosigkeit der Mutter Erde. Sie ist ein moralisch begrenztes Wesen, das zugleich nach unbegrenzter Macht strebt.

Zeit also, an der Moral zu arbeiten. Und dabei kann ein Blick auf die Erde mit Demut und Ehrfurcht helfen. Auf dieses dieses gewaltige Wunder, das uns jeden Tag am Leben erhält.

 

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