Im Herbst blühen nicht mehr viele Pflanzen. Daher haben es Insekten, die Nektar und Pollen benötigen, in dieser Jahreszeit schwer. Doch man findet noch wahre Oasen in der Jahreszeit. Dazu zählt ausgerechnet ein relativ ungeliebtes Gewächs: Der Efeu! Nach Jahres des Rankens vollführt er schließlich eine wundersame Wandlung.
Nach acht bis zehn Jahren nämlich ändert sich die Wuchsform. Sein Ziel ist nun die Vermehrung. Daher bildet er Blüten. Und in den Bereichen, in denen sich die Blüten entwickeln, verändert sich auch die Form der Blätter. In den weiterhin rankenden Bereichen der gleichen Pflanze bleibt die Blattform gleich.
Dies nennt sich auch heterophyller Dimorphismus. Die veränderte Wuchsform der Blätter hängt wohl auch damit zusammen, dass die Pflanze Energie sparen will, um möglichst viele Samen zu bilden. Größere Blätter ermöglichen zwar mehr Photosynthese, aber die größeren Blattflächen rankender Bereiche sorgen auch für vermehrte Verdunstung und somit Schwächung.
Ähnlich verblüffend wie die Tatsache, dass ein und die selbe Pflanze zwei verschiedene Blattformen ausbilden kann, ist die Vielfalt der Insekten, die auf Efeu-Blüten fliegt. Es existiert sogar eine Wildbienenart, deren Nachwuchs auf Efeu-Pollen angewiesen ist: Die Efeu-Seidenbiene.

Aber auch Wespen werden von dem süßen Nektar des Efeus magisch angezogen. Da die Wespenkönigin nach und nach weniger Eier legt, zerfällt das Volk langsam. Schließlich wird für die Brut immer wenig tierische und eiweißreiche Nahrung benötigt. Die Arbeiterinnen suchen dann gezielt nach Zuckerquellen, um sich selbst zu versorgen. Daher kommen Wespen auch vermehrt im Spätsommer an den Kuchen, an reifes Obst, oder eben an nektarreiche Efeu-Blüten.

Schwebfliegen nutzen als fertig entwickeltes Insekt Nektar und Pollen. So sind sie auch hier in großer Vielfalt vertreten.







Auch andere Fliegen landen hier gerne…

Natürlich sind hier auch Honigbienen unterwegs.

Und jede Menge Falter, wie das Taubenschwänzchen (heute zu schnell für die Kamera), der Admiral, und wie hier der Kleine Kohlweißling

Efeu ist also mehr als nur die Pflanze, die alles zuwächst, wuchert, angeblich Mauerwerk beschädigt oder gar Bäume bedrängt.
In Wirklichkeit kann Efeu nur beschädigtes Mauerwerk weiter schädigen, und nur Bäume überwachsen, die ohnehin geschwächt sind.
Tatsächlich ist Efeu daher vielmehr eien Oase mit Nektar und Pollen im Herbst, Beeren als Vogelfutter im Winter und Nistbereich für Amsel & Co. im Frühling.
