Diesen Satz lese ich seit Wochen. Und inzwischen glüht mir die sprichwörtliche Sicherung durch, wenn ihn jemand erneut zum Besten gibt. Die Klimakrise ist wieder spürbar angekommen, und manch einer holt entspannt und freudig die Sonnencreme hervor, während über 5.000 Menschen in Deutschland den Hitzetod sterben. Nein, wir befinden uns nicht nur in einer Klimakrise, sondern auch deutlich in einer Krise des gesunden Menschenverstandes, der Empathie und des sozialen Miteinanders.
Es ist nicht lange her, da wurden mir gleich zwei junge Mausersegler gebracht. Sie waren noch klein, schon sahen sie sich genötigt, lieber aus dem Nest in die Tiefe zu springen, anstatt bei über 60°C den qualvollen Hitzetod an der Hausfassade zu erleiden.
Das örtliche Tierheim nahm keine Tiere mehr auf, da sie von Jungtieren in Not überschwemmt wurden. Zum Glück gibt es noch andere Vogelschützer, denen ich die Tiere nach der Erstversorgung vorbeibringen durfte.

In vielen Regionen Deutschlands wird das Wasser knapp. Der Grundwasserspiegel sinkt dramatisch, auch die Flusspegel sinken. Die Natur ist in Not, die Vegetation leidet massiv. Vögel und Fledermäuse brauchen gerade während ihrer Brut- und Wochenstubenzeit genügend Insekten. Doch wenn Tümpel längst ausgetrocknet sind, und mit ihnen die Brutstätte von Stechmücken, kommen andere aus der Nahrungskette in tiefe Not.
Sinkende Flusspegel bedeuten nicht nur eine Beeinträchtigung der Schifffahrt, das Steigen von Transportkosten, und somit auch höhere Preise im Einkauf für uns alle. Niedrige Pegel bedeuten auch – in Kombination mit der extremen Hitze – warme Wassertemperaturen, niedrige Sauerstoffkonzentration und sterbende Wasserlebewesen wie Fische.
Die Ernten auf den Feldern fallen deutlich schlechter aus, es müssen Noternten stattfinden. Das lässt die Preise steigen und die Lebensmittelversorgung schwieriger werden.
Viele Menschen starben bei über 41°C im Juni – Rekordwerte! Aber Hans123 weiß genau: Es war früher auch so heiß, wir hatten früher oft Hitzefrei. Superbrain39 weiß, dass dies alles nichts mit dem Klimawandel zu tun hat. Eiskernbohrungen hätten gezeigt, dass es früher schon viel wärmer war. – Superbrain39 stützt also ihre Theorie auf jene Wissenschaft, die zugleich den menschengemachten Klimawandel als Fakt beweisen kann? Nur das streitet sie wiederum ab?
Liest man in Social-Media-Kommentaren, oder wagt sich gar, seine Meinung Kund zu tun, bekommt man das volle Sammelsurium an Beleidigungen, absurden Begründungen und Provokationen ab.
Und man fragt sich wirklich: Haben so viele den Verstand verloren?!
Sie sind gedanklich zurück ins Mittelalter geflohen, und lassen, anstatt wissenschaftliche Fakten, lieber den Aberglauben sprechen.
Was ist passiert, dass Teile der Gesellschaft so verroht sind? Und so verblendet?

Dann denke ich mir, vielleicht ist es Angst vor dieser großen Herausforderung, in Kombination mit den vielen anderen Herausforderungen. Eine Überforderung, die in eine Phantasiewelt lockt. Oder in ein Suchen von Sündenböcken.
Die Redewendung „Wer die Wahrheit sagt, braucht ein schnelles Pferd.“ passt ganz gut in diese Zeit, in der Forscher sogar Morddrohungen erhalten, wenn sie über die Auswirkungen der Klimakrise berichten.
Und die Bundesregierung? – Setzt alles daran, dass fossile Brennstoffe noch lange genutzt werden, der Klimaschutz wird ausgebremst. Und die Hitzetoten ignoriert. Man kann ja auch ins Schwimmbad gehen, wenn es zu heiß ist. – So der Tenor.
Tut mir leid, aber ich denke, ich bin im falschen Film. Und einige haben sich offenbar wirklich bei der Hitze schon irreparabel das Hirn verbrannt.
Grund genug, dennoch einen kühlen Kopf zu bewahren und weiterhin für das einzustehen, was zählt:
Der Klimaschutz! Ansonsten wird die Klimakrise viele Arten auslöschen, zu denen auch wir Menschen gehören.
