Das Ausschlafen am Sonntag ist für mich normalerweise heilig. Doch normal war dieses Wochenende nicht. Durch Zufall hörte ich im Hof zirpende Geräusche. Und schließlich sah ich die Urheber. Ein wenig wie Fallschirmspringer ließen sie sich plumpsen. Und so plump das wirkte, glänzten sie von einer in die nächste Sekunde mit unglaublicher Präzision und Eleganz.
Insgesamt verließen zwanzig Tiere der Nacht ihr Tages-Quartier und verschwanden im Halbdunkel. Ab und zu flog wieder eine an ihrem Quartier vorbei, so als wolle sie prüfen, ob noch alles gut ist. Und tatsächlich: Ich vermute das war ihre Intention, da sie als Mutter ihr Kind schützen wollte.
Da 20 Tiere in diesem Tages-Unterschlupf saßen mussten sich auch mindestens zwanzig Kinder darin aufhalten. Das wäre nicht ungewöhnlich für eine Wochenstube der Zwergfledermaus mit dem witzigen zoologischen Namen „Pipistrella pipistrella“.
Doch war ich mir nicht ganz sicher, ob es sich um eine Wochenstube oder doch nur um ein übervolles Männer-Quartier handelt.
Um endgültig sicher zu gehen blieb mir nur eine Möglichkeit, die mir sehr große Überwindung abverlangte: Ich musste eine Stunde vorm Sonnenaufgang raus in den Hof gehen, die Kamera aufstellen und – sicher hundemüde – auf das typische Schwärmen vor einer Wochenstube warten.
Frühschicht muss auf Spätschicht treffen
So gruselig wie es auch war, meine Ehre als NABU-Fledermauskundschafter ließ mich nicht zur Ruhe kommen. So wachte ich sogar schon um 3:30 Uhr auf und ging pünktlich um 4 Uhr raus in die wunderbar kühle Luft.
„Mensch – warum schlafe ich eigentlich bei der Hitze in der Dachgeschosswohnung, und nicht draußen auf der Hängematte?“, kam mir in den Sinn, als ich das Stativ aufstellte und das Richtmikrofon installierte.
Und dann genoss ich erstmal die Kühle. Aus dem Kasten hörte ich wieder diese zirpenden Geräusche, Alttiere konnten das nicht sein. Die waren bei der Dunkelheit sicher noch auf der Jagd nach Stechmücken, von denen mich dieses Jahr nur wenige plagen.
Ich wartete, bis um 4:24 Uhr das erste Fledertier vorbei flatterte. Aber es flog nicht in den Spaltkasten, sondern raste davon.
Erst gegen 4:40 Uhr flog die erste Fledermaus zum Spaltkasten und kletterte nach mehreren Anläufen rein. Dann folgte tatsächlich ein Schauspiel von vier Tieren, die vor dem Kasten schwärmten. Aus dem Inneren hörte ich wieder dieses Zirpen. Durch das Richt-Mikrofon hört man sogar die bioakustischen Signale der Orientierungsrufe (dieses Ploppern)
Schließlich verzogen sich nach und nach alle Bewohner in den Spaltkasten. Kurz nach Sonnenaufgang war das Schauspiel beendet. Ich war fasziniert, und hundemüde.
Mein Fazit: Das heilige Ausschlafen am Sonntag ist mir weiterhin sehr wichtig. Aber bei Fledermäusen mach ich jetzt eine Ausnahme.
