Was für ein toller Anblick. Vor wenigen Minuten habe ich aus dem Fenster geschaut. Die Sichel des Mondes versank hinter dem Horizont, hinter den Weinbergen. Darüber schwebte noch die Venus, bis auch sie jetzt verschwunden ist. Das Schauspiel wirkte so synchron und daher künstlich, aber doch war es echt.
Der Mond und die Sterne sind immer echt. Sie sind Konstanten in einer Welt, in der immer öfter „Fakes“ unterwegs sind.
Klar, in der Natur gibt es verschiedene Techniken, damit Tiere und Pflanzen ihre Ziele erreichen. Da tut eine harmlose Schwebfliege so, als sei sie eine Wespe, um nicht gefressen zu werden. Pflanzen locken Tiere an, damit diese an ihnen festkleben und gefressen werden können.
Egal wo man hinschaut: In der Natur gibt es sehr viele Taktiken und Manöver, um bestimmte Ziele zu erreichen. Die Ziele hängen eng mit der eigenen Existenz zusammen: Nicht gefressen werden oder nicht verhungern.
Es sind existenzielle Ziele, evolutionär entstanden, animalisch und frei von jeder Bosheit.
Auch Menschen sind falsch. Und meist eben nicht, um selbst nicht gefressen zu werden, oder selbst nicht zu verhungern. Oft geht es heute in unserer Gesellschaft um niedere Beweggründe: Egoismus, Bosheit, Arroganz, Neid, Gier.
Und wenn es dann auch noch Personen sind, die hehre Ideale der Nächstenliebe vertreten, welche sie überall propagieren und predigen – aber sie selbst nicht wirklich leben …
Dann wird es unschön!
Und dann wirken diese Personen plötzlich so künstlich.
Doch nicht wunderschön künstlich wie der Mond und die Venus am Himmel. Sondern künstlich wie ein knallroter Apfel im Korb, den man kostet und merkt: Er ist nur aus Wachs! Er besteht nicht aus lebendiger und frischer Substanz, sondern nur aus träger, zäher und geschmackloser Masse.
Und was macht man mit einem solchen Apfel? Man legt ihn zurück in den Korb des Lebens und meidet ihn fortan.
Dann lässt man die Erfahrung hinter sich, hebt den Blick zum Himmel, zum Mond und den Sternen.
Und genießt diese wunderbare Echtheit.
