Es war einmal in einer Sommernacht. Obelix und Cleopatra waren zusammen mit ihren drei Geschwistern und der Mutter unterwegs. Die beiden hatten einiges von Mama gelernt und aßen auch die ersten Regenwürmer. Nur der Kleine wusste noch nicht, wie das ging, und brauchte die Milch. Er war auch etwas langsamer, leichter und schwächer. Doch seine Mutter kümmerte sich zum Glück rührend. Auch jetzt lotste sie die ganze Bande über diese breite Straße. Doch gerade als sie in der Hälfte angekommen waren, wurde es plötzlich laut und hell. Die Jungen liefen schnell weiter, nur der Kleine brauchte etwas länger. Zu lange für die Mutter. Als das Monster aus der Nacht wieder verschwunden war, lag sie dort. Leblos und schlimm verletzt. Jetzt war die Bande auf sich allein gestellt, und der Kleine bekam keine Milch mehr.
So hat es sich in etwa zugetragen, in der Nacht zum 18.07.2026, hier auf der Hauptverkehrsstraße in Bodenheim.
An dem Samstag erhielt ich als Umwelt- und Artenschutzbeauftragter die Info über einen toten Igel auf der Straße. Überfahren! Wer ihn abholen könnte.
Da ich zunächst keine Zeit hatte, konnte ich mich nicht kümmern.

Etwas später erhielt ich einen Anruf über einen jungen Igel, der ganz in der Nähe gefunden worden war. – Nur eine Hand voll groß. – Der „Kleine“

Ich gab ihm zunächst eine Schale Wasser und setzte ihn auf ein Wärmekissen. Später bot ich ihm ein wenig Futter an. – Natürlich zucker- und getreidefrei.
Und nicht viel, denn wenn ein Tier längere Zeit nichts gefressen hat, kann eine größere Menge Futter auf einmal tödlich wirken.
Doch er nahm nichts an, wollte tatsächlich Muttermilch. Bald wurde klar, dass er ein Fall fürs Tierheim werden würde. Am Sonntagmorgen war die Fundtierannahme geöffnet und ich brachte den entkräfteten Kleinen hin. Bis heute ist noch nicht sicher, ob er es schafft.
Kaum zurück wurden weitere junge Igel gefunden. Zwei kamen zu mir. Ich nannte sie zuerst Obelix und Majestix, da sie beiden futterten wie blöde. Erst später sah ich mir ihren Bauch an und stellte fest: Es waren Männchen und Weibchen.
Also gab ich ihnen die Namen Obelix und Cleopatra.


Ihnen geht es gut, sie fressen ordentlich. Da sie inzwischen knapp 400g schwer sind, habe ich sie in zwei Unterkünften aufgeteilt. Denn werden die Kleinen über 300g schwer, können sich auch als Geschwisterpaar nicht mehr riechen. Es stresst sie als Einzelgänger und oft werden sie dann auch aggressiv.
Sehr bald werden sie ausgewildert in passenden Habitaten auf unseren Naturschutzflächen.
In der Hoffnung, dass die beiden ein besseres Schicksal haben, als ihre Mutter. Überfahren, tödlich verletzt zurückgelassen, kein Gedanken an evtl. Igel-Junge verschwendet.
Ja: Hinter einem toten Igel stecken nicht selten auch verzweifelte, hungernde Waisen-Kinder.
Und das jeden Tag in Deutschland vielleicht hundertfach.
Die Geschichte bewegte mich wirklich sehr.
Daher mein dringender Aufruf: Bitte vorsichtig fahren und versuchen, ein solches Drama unbedingt zu verhindern!
