Vollmond

Guten Rutsch ins neue Jahr

Na, böllern sie bei euch auch schon Tage vor Silvester? Ursprünglich stammt dies wohl von einer Tradition ab, bei dem durch ein Silvesterfeuer die bösen Geister des alten Jahres vertireben wurden. Klingt toll, bewirkt aber genau das Gegenteil.

Und es gibt da auch einen ganz anderen und spannenden Brauch, den ich euch kurz vorstellen möchte. Das „Zelebrieren“ der Raunächte
Ich begehe jeden Abend seit dem 24.12. kleinere Rituale. Mein Ziel ist es, das Alte und Belastende hinter mir zu lassen. Und dem Neuen den Weg zu bereiten. Dazu habe ich u.a. auf 13 Zettel einen Wunsch fürs nächste Jahr geschrieben, und zünde in jeder der Raunächte einen der Zettel an, um sie ans „Universum“ abzugeben. Und den 13. Wunsch öffne ich am Ende. Das ist der, für dessen Erfüllung ich im nächsten Jahr selbst verantwortlich bin. Jetzt bin ich mal gespannt…

In jedem Fall ist es eine interessante Sache, auch um einen Rückblick aufs Jahr zu bekommen und inne zu halten. Nur in einem ruhigen See wird das Spiegelbild klar. Und Ruhe ist es, was mir wirklich momentan guttut.

Vollmond zwischen Wolken
Das schönste Feuerwerk am Himmel

Umso nerviger sind diese Böller-Fetischisten, die wirklich Tage vor Silvester ihre Knaller zünden. Wie weit ist dieses Geböller denn von der ursprünglichen Tradition entfernt? Ich würde sagen Lichtjahre:

Anstatt böse Geister vertreibt man mit dem Feuerwerk einzig Wildvögel und andere Wildtiere. Sie rasen und fliegen panisch los, Vögel fliegen teils in 1000 m Höhe, die normalerweise nur in 100 m Höhe unterwegs sind. Viele fallen tot vom Himmel, sie hat sprichwörtlich der Schlag getroffen. Andere kommen erst nach 14 Tagen wieder zurück in ihr Revier. Während man die Vögel am Häuschen den Winter über liebevoll mit Knödeln und Körnern versorgt, schießt man ihnen in dieser Nacht die Hölle entgegen. Ist das nicht paradox?
Viele Wildtiere fliegen oder rennen in Dunkelheit und Panik gegen Hindernisse und brechen sich das Genick, werden von Autos erfasst oder verlieren zumindest überlebenswichtige Energie in der Winterzeit.

Haussperlinge
Haussperlinge

Man stört die ohnehin unter der Klimakrise leidenden Igel und andere Winterschläfer massiv, manche menschlichen Monster werfen sogar Böller in Laubhaufen, in denen Igel überwintern und die Tiere landen dann mit zerfetzten Gliedmaßen in den Auffangstationen.
Wie will man sich so ein gutes Jahr sichern und böse Geister vertreiben?

gartenschlaefer-im-nistkasten
Gartenschläfer im Nistkasten

Man feuert tonnenweise schwermetallhaltige und giftige Feuerwerkskörper in eine ohnehin geschundene Natur – und somit auch in unseren Lebensraum. Millionen Tonnen Feinstaub landen jede Silvesternacht in der Luft und belasten besonders ohnehin erkrankte Menschen massiv, schädigen ihre Gesundheit.

Mond-Korona
Die „Mond-Korona“ vom Vollmond vor kurzem.

Mond-Korona

Böse Geister vertreiben? Also wenn in der Silvesternacht böse Geister am Werk sind, dann sind das aus Sicht der Tiere jene an den Zündschnüren der Raketenbatterien. Und ein neues Jahr damit zu beginnen, unschuldige Wesen in die Panik, den Tod und den Untergang zu treiben, das ist doch kein guter Start ins neue Jahr, oder?

Diese „Tradition“, die eigentlich gar keine ist, erscheint mir endlich ein Fall für die Tonne. Wildtiere, Hausstiere, viele Menschen, aber auch Feuerwehrleute, Polizisten und Sanitäter würden sich darüber freuen. Und: Deutschland ist eines der wenigen Länder, in denen das Feuerwerk durch Privatpersonen überhaupt in dieser Form erlaubt ist.

Das war das „Wort zu Silvester“. 😉

Ich wünsche euch allen einen guten Rutsch in ein glückliches, gesundes 2024.

5 Gedanken zu “Guten Rutsch ins neue Jahr

  1. lieber tobias, auch dir einen angenehmen jahreswechsel! ich zünde keine feuerwerke, mag sie aber sehr gern. für mich gehören sie zur silvesternacht dazu. ja, es ist eine alte tradition, die bösen geister zu vertreiben, ich mag das. die lichter, das bunte.
    es stimmt, es gibt ein paar, die nicht gut damit umgehen, so wie es diese menschen in allen bereichen des lebens gibt. ich würde sie nicht entmenschlichen oder verteufeln, es gäbe/gibt ja als lösungsweg auch die möglichkeit, für bestimmte bereiche ein „knallverbot“ auszusprechen, während es an anderen stellen erlaubt ist.
    wenn ich lese, was du über die rauhnächte geschrieben hast, vermute ich, dass du bei rafael kempermann reingehört hast, den ich empfohlen hatte. freut mich sehr. auch seine meditationen zum einschlafen kann ich sehr empfehlen.
    dir wünsche ich für deine zukünftigen beruflichen und auch sonst projekte viel kraft, zuversicht und durchhaltevermögen. wird schon alles werden! dran bleiben!
    alles liebe, beste wünsche und grüße aus berlin, m.

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    • Hallo, es geht mir auch hauptsächlich um das flächendeckende und völlig wahllose Geballer durch Privatpersonen. Ein zentraler Platz in einer Gemeinde, bzw. mehrere in einer Stadt, an der ein Feuerwerk gezündet würde, wäre schon ein Anfang. Für die Wildtiere ist es eine Katastrophe, Hier bei uns werden innerhalb des Orts Raketen und Böller gezündet, aber auch außerhalb in den Weinbergen, mitten im Feld, sogar nahe eines Wäldchens. Und teilweise wird hier mit Raketen auf Hausfassaden geschossen. Und in Nachbargemeinden auch. Es ist also leider ein größeres Phänomen, und wenn man in andere Regionen schaut häuft sich das leider auch. Daher wäre ein offzielles Feuerwerk, organisiert von Vereinen, den Kommunen oder Bürgern, vielleicht eine sehr gute Alternative. Da käme man auch zusammen und könnte gemeinsam ins neue Jahr feiern.
      Man könnte ja außerdem auch mit Hilfe von Drohnen Lichtershows an den Himmel zaubern. Dadurch gäbe es keine Knallerei, keinen Feinstaub, keine zu Tode erschreckten Tiere und keinen Stress für Wild- und Haustiere. Ich mag ja auch sehr gerne solche Lichter-Shows, aber eben ohne das Knallen, Heulen und das ganze Leid, das es nach sich zieht. Meine Katze hatte früher richtig Panik und ist hinter den Schrank geklettert. Es ist für die Tiere einfach viel zu laut.
      In Mainz im Tierheim zünden sie massenweise Böller und Feuerwerk, die Tiere werden extrem in Panik gesetzt und es gibt sogar tote Tiere. Die Politik hatte versprochen zu helfen, aber nachdem der Oberbürgermeister gewählt wurde, hat sich offenbar nichts mehr getan. Wie das eben leider sehr oft so ist. Aber die Leute dort sind auch extrem verzweifelt. Es gibt auch kein Verständnis der Leute, die dort Feuerwerke zünden…

      Und genau, von Kempermann habe ich mir auch einiges angeschaut. Sehr interessant und gut.
      Danke für die guten Wünsche. Ich freue mich schon durchstarten zu können und erste Möglichkeiten tun sich schon auf. Das neue Jahr kann also kommen. 🙂
      Liebe Grüße und dir auch alles Gute fürs neue Jahr. Torsten

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  2. Aus der Seele gesprochen. Leider nimmt es eher zu als ab, das Bedürfnis mancher, seine Person durch Lärm in der Welt zu manifestieren. Wie schön wäre es doch, wenn sich die Kommunen darauf verständigen könnten, diesen Terror zu unterbinden.

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