Eiche mit Sonnenstrahlen

Vom schiefsten Turm und schönsten Baum

Mein Urlaub ist schon etwas länger her, aber auch heute steht noch der schiefste Turm der Welt in … Gau-Weinheim. Und einer der schönsten Bäume, die ich kenne, auf dem Disibodenberg.

Mein Urlaub führte mich auch aus Gründen der Nachhaltigkeit dieses Jahr wieder durch Rheinhessen und die angrenzenden Gebiete. Also ich blieb in meiner Region und habe es nicht bereut. Ich muss nicht nach Pisa reisen, um den schiefen Turm dort zu sehen, denn der in Gau-Weinheim ist schiefer, also genau genommen der schiefste Turm der Welt.

Schiefster Turm der Welt
Schiefster Turm der Welt
Schiefster Turm der Welt
Es ist ein Wehrtrum aus dem Mittelalter, der 1749 zum Glockenturm für beide Kirchengemeinden umgebaut wurde. Die Besonderheit: Jede seiner Seiten ist unterschiedlich schief.
Schiefster Turm der Welt
Auch von der Seite des Eingangs kann man eine schiefe Wand erkennen.
Blick in den Glockenturm
Blick an die Decke im Glockenturm. Hier erkennt man die Holzkontruktion.
Schiefster Turm der Welt, Blick aus dem Fenster
Blick aus dem Fenster, vor dem die Fahne weht.
Pläne der Vermessung
Hier die Pläne der Vermessung

 

Ein immer wieder beeindruckender, und wie ich finde mystischer Ort, ist die Klosterruine auf dem Disibodenberg. Hier lebte Hildegard von Bingen lange Zeit. Von den Klostermauern sind nur noch Ruinen übrig.

Ich machte mich zunächst auf den „Weg der Stille“, um ein bisschen mehr Ruhe in meinen Kopf zu bekommen, sowie Klarheit, die mir immer noch fehlte. Da kam mir ein Baum gerade richtig, der mich förmlich in seinen Bann zog.

Alte Eiche auf dem Disibodenberg
Diese alte Eiche
Pause am Baumstamm
Die Dicke des Stamms war sehr beeindruckend.
Und ein Blick in die Weite
Aber auch der Blick in die Weite

Weiter gings dann aufs ehemalige Klostergelände, mit einigen Fragen im Hinterkopf, wie ich meine Zukunft gestalten sollte. Und direkt beim Betreten erwartete mich eine kleine, ganze besonere Erfahrung.

Mauereidechse im Gemäuer
Dass eine Mauereidechse sich in alten Gemäuern aufhält, ist nicht besonders verwunderlich. Dass sie jedoch sitzen bleibt und zulässt, dass ich sie mit dem Smartphone aus nächster Nähe fotografiere, während sie mich mit ihrem Auge entspannt und interessiert anschaut, das war eine tolle Erfahrung. Es war einer dieser Momente der absoluten Präsenz. Und so sollte es weitergehen…
Klosterruine Disibodenberg
Klosterruine Disibodenberg

Klosterruine Disibodenberg

Klosterruine Disibodenberg

Das Labyrinth ist seit vielen Jahrtausenden ein Werkzeug zur spirituellen Einkehr und Besinnung. Was ist wichtig im Leben, was nicht? Was ist das Ziel, was ist der Irrweg? Welcher ist ein Stolperstein, und welcher einer, mit dem sich eine bessere Zukunft bauen lässt?
Vor einigen Jahren hatte ich in der Schweiz bereits ein tolles Labyrinth entdeckt und war es gegangen. Also entschied ich mich, auch hier den Weg zu gehen. Und eines war direkt verblüffend: Während alles rundherum trocken und dürr war…

Labyrinth auf dem Disibodenberg

Glockenblume in der Mitte des Labyrinths
…blühte ausgerechnet unterhalb des Baums im Zentrum des Labyrinths einsam diese wunderschöne Glockenblume. So als sei nichts, und als habe sie noch nie etwas von der Dürre mitbekommen. Die Mitte gilt im Labyrinth als Ziel des Lebens.

Auf dem Rundweg stieß ich dann noch auf diese, wie ich finde, ganz besondere Kulisse. Direkt hinter einer Wallfahrts-Kapelle haben Besucher Steintürmchen aufgeschichtet und dadurch ein wundervolles Bild der Hoffnung gezeichnet.

Steintürmchen

Ein solch wunderschönes Plätzchen ist auch in Eckelsheim zu finden. Dort steht die Ruine der Beller Kirche. Und ich finde, sie ist ein ganz besonderer Ort.

Beller Kirche

Die Beller Kirche

Die Kirche im Innern
Die Kirche im Innern
Die Ornamente der Kirchenfenster
Die Ornamente der Kirchenfenster

Sonnenstrahlen in der Kirche

An der Kirchenruine existiert ein Wanderweg mit vielen Biotopen, Geotopen und unterschiedlichen Pflanzen, Infoschildern zum ökologischen Nutzen sowie der Geologie in der Region.

Roggenfeld mit Kornblumen und Klatschmohn
Auch gibt es hier ein Roggenfeld mit Kornblumen und Klatschmohn… Ein toller Anblick, jedes Jahr!

 

Infoschild Steinbruchgelände

 

Steinbruch
Und hier eine Wunde in der Landschaft – ein Steinbruch, der jedoch offenbar künftig nicht weiter genutzt wird.

 

Weiter gings nach Gau-Bickelheim. Hier steht eine Kapelle mitten in den Weinbergen und rundherum gibt es auch Wanderwege, die an Naturschutzgebieten vorbei führen.

Kapelle in Gau-Bickelheim

Kapelle in Gau-Bickelheim

Ausruhen
Auch hier gab es ein schönes Plätzchen zum Ausruhen und Gedanken schweifen lassen.

Der Rundweg war anstrengend, weil es sonnig und heiß war, und kein Baum auf der Strecke in Sicht. Aber der Weg hatte trotzdem einiges zu bieten.

Felswand als Lebensraum
So beispielsweise diese Felswand als Lebensraum und viele Blühpflanzen

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Ackerwicken

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Im Hahnheimer Bruch stand dann noch die Natur viel mehr im Mittelpunkt. Dort fließt die Selz, es wurde ein Naturschutzgebiet eingerichtet. Daher schwirrten Libellen, Falter und Bienen herum.
Aber auch hier war es sehr heiß und als ich an diesen Weiher kam, konnte ich mein Glück kaum fassen:

Weiher an der Selz

Kneipp-Becken
Eiskaltes Wasser im Kneipp-Becken nach dem langen Fußmarsch durch die Hitze. Das kühlte nicht nur den Körper, sondern auch den Geist.

Bei genauerem Hinsehen entdeckte ich dann noch diesen Becken-Bewohner…

Grasfrosch
Der Grasfrosch hupste über den staubigen, trocknen Feldweg, und schaffte mit allerlei Tricks den Sprung in die Wanne mit dem hohen Mauerrand.

 

Ja, das war ein schöner, entspannender Urlaub, der aber leider schnell wieder vorüber war. Der Alltag hatte mich wieder. Aber hatte er das? So richtig auch nicht.
Denn da keimte dieses Gefühl immer mehr in mir auf, das ich schon sol ange in mir trage. Und das mir sagte: So kann es nicht mehr weitergehen.

Ich brenne für die Natur, während ich an anderer Stelle verheizt werde. Zeit daher, endlich einen Schlussstrich zu ziehen, diesen dicken Stolperstein im Labyrinth des Lebens zurück in den aufgegebenen Steinbruch zu werfen, weg zu kicken. Und die vielen anderen, passenden Steine, die mir das Leben bietet zu nutzen, um mir eine gute Zukunft aufzubauen. Ja, ein Stück weit hat mich der Frosch wachgeküsst und gesagt:

Mach das wofür du brennst, denn anders brennst du aus!

6 Gedanken zu “Vom schiefsten Turm und schönsten Baum

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