Pförtner-Schmalbiene

Das große Summen am Grillplatz?

Ausgerechnet ein Grillplatz entpuppt sich mehr und mehr zum Hotspot der Artenvielfalt. Als Umwelt- und Artenschutzbeauftragter der Ortsgemeinde Bodenheim und BUND-Wildbienenbotschafter dokumentiere ich momentan die Fläche. Und habe vor kurzem auch eine Wildbienen-Exkursion angeboten. Doch warum gibt es eine so große Biodiversität auf einem Grillplatz?

Der Platz liegt inmitten von Weinbergen: Also eigentlich kein guter Standort, alleine wegen der Pestizide und der Monokultur.
Trotzdem konnte ich im April 2026 knapp 30 Wildbienenarten dokumentieren, von denen auch ein Großteil dort nistet.

Es gibt zwei Faktoren, warum die Vielfalt hier so groß ist:

  • Beim Untergrund handelt es sich um einen Löss-Boden, also ideales Material für das Nisten der Wildbienen. 75 Prozent aller Wildbienenarten Deutschlands nisten im Boden, die Wenigsten also in Hohlräumen, wie sie auch durch Wildbienen-Hotels angeboten werden.
  • Die Fläche wird regelmäßig gemäht für die menschliche Nutzung. Der Publikumsverkehr lässt bewuchsfreie Flächen entstehen. Das ist ideal für nistende Wildbienen. Und natürlich blühen hier trotzdem Gänseblümchen, Gundermann, Purpurrote Taubnessel, Löwenzahn sowie weitere Wildkräuter. Blühende Sträucher und Bäume grenzen den Grillplatz ein, ohne ihn zu stark zu beschatten.

 

Dieser Hotspot der Artenvielfalt lässt erkennen, warum Arten- und Ökosystemvielfalt für den Artenschutz so wichtig sind.

  • Durch die Ökosystemvielfalt wächst direkt auf dem Gelände mit Löss-Boden eine Bruch-Weide. Im Boden nistet die Große Weidensandbiene. Deren Nachwuchs benötigt Weiden-Pollen, damit er sich entwickeln kann. Keine Weide = Keine Große Weidensandbiene

Große Weiden-Sandbiene

 

  • Auf der Fläche nistet nicht nur die Große Weiden-Sandbiene, sondern eine Vielzahl an Wildbienenarten. Das liegt an dem geeigneten Boden, den Lichtverhältnissen, und auch an den Wildbienenarten selbst. Die Große Weidensandbiene ist z.B. der Grund, warum die Rothaarige Wespenbiene hier nisten kann. Diese ist eine Kuckucksbiene und sie legt, wie beim gefiederten Namensvetter, ihre Eier in fremde Nester. Sie hat sich auf die Große Weidensandbiene spezialisiert. Ihre Larven fressen einen Teil der Weidensandbienen-Brut auf, und entwickeln sich schließlich im nächsten Jahr zur neuen Rothaarige-Wespenbienen-Generation.

Rotehaarige Wespenbiene

 

Und jetzt wirds richtig spannend. Denn es gibt noch weitere Wildbienenarten, die hier nisten – und eben auch Wespenbienen-Arten, die sie parasitieren.

 

Frühlings-Seidenbeine
Hier nistet die Frühlings-Seidenbeine

 

Riesen-Blutbiene
Die Riesen-Blutbiene ist eine Kuckucksbiene und parasitiert die Frühlings-Seidenbiene

 

Ich habe dann weiter Detektiv-Arbeit betrieben. Wenn man eine Kuckucksbiene entdeckt, kann man davon ausgehen, dass auch die Wirt-Art hier nistet. Denn: Ohne Wirt kein Kuckuck!

 

Rotbauch-Sandbiene
Die Rotbauch-Sandbiene ist etwas kleiner als eine Honigbiene.

 

Rotfühler-Wespenbiene
Und das ist ihr Kuckuck: Die Rotfühler-Wespenbiene

 

Shepards Wespenbiene
Die Shepards Wespenbiene parasitiert die kleinen Schmalbienenarten, wie die Dunkelgrüne Schmalbiene. Diese Schmalbiene nistet hier auch, nur konnte ich sie noch nicht fotografieren.

 

Neben den, durchs Bundesnaturschutzgesetz besonders geschützten Wildbienenarten, konnte ich hier noch weitere spannende Insekten entdecken.

 

Gemeine Schornsteinwespe
Die Gemeine Schornsteinwespe

 

Der Große Wollschweber
Der Große Wollschweber parasitiert auch Wildbienen.

 

Eine Frühe Lehmwespe
Eine Frühe Lehmwespe

 

Schlupfwespe
Eine nicht näher bestimmbare Schlupfwespe auf einer Gänseblümchen-Blüte.

 

Das Interesse an der Exkursion war groß und ich werde 2026 noch eine weitere Veranstaltung anbieten.

 

Exkursion auf dem Grillplatz
Exkursion auf dem Grillplatz

 

Vorher ein bisschen Theorie.
Vorher ein bisschen Theorie.

 

BUND-Informationen
BUND-Informationen zum Mitnehmen gab es natürlich auch.

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