„Bahnsinn Riedbahn“

Bei meinem heutigen Post handelt es sich um eine Anzeige/ Werbung. Und es geht um die Deutsche Bahn. Deren Image ist alles andere als positiv. Zu oft Verspätungen, viele Zugausfälle, technische Mängel in den Bahnen und unklare Kommunikation. Für manche ist daher „der Zug abgefahren“ und sie nutzen Alternativen, fahren mit dem Auto.

Doch ganz ehrlich: Stehen wir nicht auch mit dem PKW oftmals im Stau oder stockenden Verkehr? Nur um dann, am Ziel angekommen, einen Parkplatz zu suchen. Und viel Geld dafür zu bezahlen? Wir ärgern uns über andere Verkehrsteilnehmer, sind gestresst und genervt.
Auch kostet die Nutzung des Autos in vielen Fällen mehr, als wenn man mit dem ÖPNV unterwegs ist.

Das Auto – mehr als nur Luftverschmutzer
Hinzu kommt natürlich die Umweltbelastung: Der Verkehr trägt immerhin mit einem Anteil von 20% zu den Gesamtemissionen an Treibhausgasen in Deutschland bei. Der Autoverkehr verursacht Feinstaub durch Abgase, und Mikroplastik durch Reifenabrieb. Zur Rolle des Autos bei Luftverschmutzung und Klimakrise gibt es eine interessante Übersicht des Umweltbundesamtes.

Doch schon die Produktion eines Autos benötigt viele Rohstoffe und Energie. Und die Entsorgung ist ebenso aufwändig. Dies gilt natürlich auch für Elektro-Fahrzeuge.
Autos verursachen sehr viel Lärm. Ebenso sind der Wegfall von öffentlichem Raum durch Parkflächen, sowie der Ausbau von Straßen und somit weiterer Flächenfraß, ein Thema. Immer mehr Autoverkehr erfordert immer mehr Straßen. Diese durchschneiden Wild-Korridore, werden zur Todesfalle für Hasen, Füchse, Marder, Amphibien und den ohnehin bedrohten Igel.

Verkehrsopfer Igel
Verkehrsopfer Igel

Angesichts der Klimakrise und des allgemeinen Zustands der Natur wäre die Nutzung des ÖPNV und der Deutschen Bahn eine tolle Sache. Natürlich vorausgesetzt, es besteht ein passendes Angebot vor Ort, was in vielen Teilen der Republik leider noch nicht der Fall ist.

Schade, denn billiger als die Nutzung des Autos ist eine Jahresfahrkarte allemal, hinzu kommt das Deutschland-Ticket. Die Klimabilanz ist deutlich besser als die des Autos. Der ÖPNV ist einfach sehr viel nachhaltiger, als wenn jeder einzeln mit dem Auto durch die Gegend fährt. Es entstehen deutlich weniger Treibhausgasemissionen, weniger Reifenabrieb und Flächenfraß.
Ich bin jahrelang täglich mit der Bahn nach Mainz zur Arbeit gefahren und habe dabei die Zeit genutzt, um Bücher zu lesen. Denn die Bahn bietet eine relativ entspannte Möglichkeit von „A nach B“ zu kommen.
Vorausgesetzt alles funktioniert.

Und hier sind wir an der Schwachstelle angekommen: Wenn es funktionieren würde… Denn leider ist das zu oft nicht der Fall.

Was also tun? Einfach abhaken und möglichst meiden? Dann wird das mit der Verkehrs- und Mobilitätswende nichts. Und auch die Klimaschutzziele werden auf dem Sektor nicht erreicht.
Kurz gesagt: Es kann keine Option sein, einfach den Kopf in den Sand zu stecken.

Die Ursachen
Aber was ist eigentlich das Problem der Deutschen Bahn?
Womit hängen Unzuverlässigkeit, Unpünktlichkeit und technische Probleme zusammen? Absichtlich wird keiner zu spät kommen und somit den Unmut auf sich ziehen.

Früher fuhr die Bahn doch auch pünktlich.
Und genau diese Vergangenheit wird wohl heute zum Problem. Denn es wurde jahrzehntelang gespart, es wurden zu wenige Modernisierungen durchgeführt. Deshalb sind viele Bereiche alt und marode. Also ähnlich wie die Straßen und Autobahnbrücken – mit den bekannten Folgen von Staus und Verkehrsbehinderungen.

Was mich besonders überraschte: Es gab sogar noch „Bahnwärter-Häuschen“, in dem ein Mensch per Handkurbel die Schranke öffnet und schließt. – Direkt an der Ried-Bahn, einem sehr wichtigen Abschnitt für das gesamte deutsche Gleisnetz. Wenn es hier stockt, wirkt sich das auf sehr viele Zugverbindungen aus. Hier ist die Technik gefühlt älter als 50 Jahre. Und genau dort wird nun modernisiert.
Klingt positiv, aber dabei entstehen nun natürlich auf vielen anderen Strecken Einschränkungen und Verspätungen. Es ist eine schwierige Phase, die vielen Nutzern der Deutschen Bahn einiges abverlangt. Aber das Ziel scheint klar: Modernisierung, die Zuverlässigkeit und Stabilität mit sich bringt.

Mehr dazu, kritische Stimmen, aber auch spannende Fakten, bietet das Video Bahnsinn Riedbahn. Ich kann wirklich nur empfehlen, es sich mal anzuschauen.

Es zeigt die Problematik und ermöglicht, wie ich finde, eine neue und offenere Sichtweise.

Man kann natürlich draufhauen und „die Bahn“ weiterhin als schlecht und unfähig abstempeln. Aber ich denke, dann tut man den vielen Menschen Unrecht, die Tag für Tag ihre Kraft in die Arbeit stecken. Eine Arbeit, die uns alle verbinden soll. Und welche die Grundlagen für eine nachhaltige, gelungene Mobilitätswende legt.

5 Gedanken zu “„Bahnsinn Riedbahn“

  1. Ich sehe das ähnlich wie du und ärgere mich, daß man jahrzehntelang alles hat verkommen lassen und es jetzt diesen Riesenrückstau in Sachen Bauarbeiten, Instandsetzung etc. gibt. Ich hoffe auf bessere Zeiten. Allerdings habe ich derzeit bei den vielen blöden Situationen, die es aktuell auf so vielen Strecken gibt, schon Angst, überhaupt in einen Zug zu steigen. Jedenfalls für längere Strecken. Da ich kein Auto habe, ist die Wahl für mich ohnehin begrenzt. Wie gesagt, ich hoffe auf bessere Zeiten. Wenn man sieht, wieviele Menschen sich auf die Bahn gestürzt haben, als es die günstigen Tickets gab, sagt das doch eigentlich alles: viele Menschen fahren wirklich gerne mit der Bahn 🙂 Jetzt müssen wir nur alle tapfer durchhalten! Und ich hoffe, daß dann auch mehr Menschen umsteigen, wenn alles wieder läuft!

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    • Ja, es wurde leider vieles verschlafen. Wie so vieles.. Die Bahn ist an sich ein schönes Verkehrsmittel, wenn sie zuverlässiger und sicherer wäre. Sie hat das Potential, aber die Rahmenbedingungen stimmen momentan noch nicht. Bleibt zu hoffen, dass sich das bald grundlegend ändert. Und die Menschen der Bahn nicht den Rücken kehren, weil ihnen einfach die Wartezeiten zu lang sind.

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