Wieder da…

Nun bin ich mal wieder aus meiner Versenkung aufgetaucht. Mein letzter Post, vom Buchtipp abgesehen, ist gefühlt wieder eine Ewigkeit her. Aber es war so viel los hier. Alles in allem eine bunte Mischung aus wuselnden Igeln, freudigen Naturschützern und einem endgültigen Schlussstrich. Aber lest selbst…

Irgendwie kann ich es noch nicht glauben, was seit meinem Post vom 18. September passiert ist. Alles begann mit einer tollen Nachricht: Unsere Naturschutzgruppe Bodenheim (www.mehrnatur.com) hat für die Gestaltung des „ErLebensraum“ (unsere Grünpatenschaftfläche) den 1. Platz beim bundesweiten Pflanzwettbewerb der Stiftung Mensch und Umwelt „Deutschland summt“ in der Kategorie „Kommunale Flächen“ erreicht.
Kaum hatte ich diese Überraschung einigermaßen realisiert, kam die nächste gute Nachricht: Auch beim #beebetter-Award 2023 ist der „ErLebensraum“ ein Gewinnerprojekt und wurde ausgezeichnet.
Den Pressetermin für die beiden Preise, sowie für die Vorstellung unserer weiteren Planung, hatten wir auf den 16.10. gelegt. Dann bekamen wir eine Einladung zur Preisverleihung des „Umwelt- und Klimaschutzpreises vom Landkreis Mainz-Bingen“ am 14.10. Und was soll ich sagen? Wir erreichten Platz 1 in der Kategorie „Besondere und nachahmenswerte Umwelt- und Klimaschutzaktivitäten“
Alles wirkte ein wenig surreal, erst langsam kroch es in mein Bewusstsein, welches Glück wir hier hatten. Und auch, dass wir mit unserer Arbeit auf einem guten Weg sind.

Foto mit Auszeichnungen der Naturschutzgruppe Bodenheim
Momentan planen und bauen wir an einem großen, etwa 4x4m großen Sandbeet, welches wir u.a. mit Rote-Liste-Arten bepflanzen. In einem Projekt hat die Universität Leipzig eine Web-App erstellt, mit der man nach Rote-Liste-Arten in seinem Bundesland filtern kann, um diese dann im eigenen Garten oder auf dem Balkon anzubauen. Es ist eine interessante Idee, Inseln und Korridore des Artenschutzes zu schaffen. Für jeden der mitmachen möchte, hier der Link.

In einem Beet bei mir im Hof habe ich vor kurzem ein Sandbeet angelegt und u.a. folgendermaßen bepflanzt: Witwenblumen, Sandthymian, Steppensalbei, Kopflauch, Weinbergstulpen, Leinkraut, Katzenpfötchen, Karthäusernelken, Heidenelken, Cistrose, Dost, Fethenne, Sand-Grasnelke und Tüpfel-Hartheu. Dabei habe ich mehr Wert auf den Nutzen für Insekten gelegt, weniger auf die Seltenheit der Pflanzen.

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Die Sandschicht habe ich 20 cm dick aufgetragen. Dadurch entsteht nicht nur ein besonderer Lebensraum für Wildbienen und Wespenarten. Der Sand ist zudem eine Klima-Anpassungsmaßnahme, denn unter der dicken Schicht bleibt die Erde feucht. Die Pflanzen wurzeln zudem deutlich tiefer, da sie im Sand weder Nährstoffe noch Wasser finden, und dann ins Erdreich darunter wachsen. Dadurch wird das Beet widerstandsfähiger gegen Dürreperioden, und die Pflanzen sind ohnehin einiges gewöhnt, was Trockenheit und geringes Nährstoffangebot angeht.

Der Klimawandel dürfte auch ein Grund dafür sein, dass momentan eine wahre Schwemme an Jungigeln auftaucht, die nicht genügend Fettreserven für den Winterschlaf haben. Mir wurden zwei Tiere gebracht – einer mit 180g, der andere mit 270g Gewicht.

Zwei junge Igel in einem Karton

Ich versorge sie momentan mit speziellem Trockenfutter. Ganz wichtig für Igel: Das Futter darf weder Beeren, noch Getreide oder Zucker enthalten, ebenso keine Nüsse. Mehlwürmer nur in Maßen, da ansonsten ein Nährstoffmangel auftreten kann. Im Handel gibt es leider sehr viel Mist zu kaufen.

Junger Igel zusammengerollt im Käfig
Katzen-Trockenfutter oder auch Katzen-Nassfutter (Pastete, keine Soße oder Gelee) sind ebenso gut geeignet. Nur meinen schmeckt es leider nicht so wirklich.
Milch ist für Igel grundsätzlich tabu, da sie tödliche Durchfälle auslöst. Sie bekommen nur Wasser zu trinken, die Käfige reinige ich jeden Tag, und ich wiege sie jeden zweiten Tag. Da ich sichergehen möchte, werde ich die beiden morgen ins Tierheim bringen, damit sie ein Tierarzt untersucht. Wenn alles gut ist, dürfen sie gerne wieder zurück, hier den Winter verbringen, um dann im Frühjahr ausgewildert zu werden.

Junger Igel läuft im Käfig auf Futtterschale zu

Ausgewildert haben wir, zusammen mit einer Tierschützerin und dem BUND, auch einige Gartenschläfer vor einigen Wochen. Aufgepäppelt suchten sie einen neuen Lebensraum. Sie waren bei Dach-Bauarbeiten plötzlich aufgetaucht, von der Mutter keine Spur mehr. Also kamen sie in die Wildpflegestelle und schließlich jetzt auf eine Streuobstwiese in der Gemeinde.

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Die Bestände der Gartenschläfer gehen bundesweit zurück und es gibt deutliche Hinweise, dass eine Ursache Gifte (Rattengift, Pestizide) sein könnte. Dieses lagert sich in den Speck ein, von dem die Gartenschläfer im Winter zehren – und sich somit langsam vergiften.

Die Natur und ihr Schutz werden immer mehr zum Mittelpunkt meines Lebens. Ich brenne förmlich dafür, während ich in meinem Bürojob immer mehr ausbrenne. Das merke ich schon lange und habe nun endlich den großen Schritt gewagt: Ich habe gekündigt, denn auf Dauer schadet das meiner Gesundheit. Und nichts der Welt ist es wert, dafür krank zu werden.
Ende des Jahres ist Ende dieses Weges, und ich schlage eine neue Richtung ein. Es wird ein neuer Pfad werden, den ich dann gehe, mit vielen Ungewissheiten:

Eine Naturcoach-Weiterbildung habe ich gemacht und nun die Prüfung bestanden, für Natur- und Umweltpädagogik interessiere ich mich schon sehr lange. Es ist also klar, in welche Richtung es läuft.
Anfangs war ich schon sehr ängstlich. Aus einer 16 Jahre langen Festanstellung einen solchen Schritt ins Unbekannte zu wagen, war mir lange Zeit zu unsicher.
Dann haben mich aber gleich zwei Personen relativ kurz hintereinander „in die Wüste geschickt“.
Genau genommen haben sie mir von einer Parabel berichtet.
Wenn man einen Pinguin in die Wüste schickt, wie wird es ihm da wohl ergehen? – Klar, er wird dort leiden, wird nicht vorankommen und krank werden. Schickt man eine Giraffe in die Wüste, kommt sie dort zurecht.
Ich bin momentan der Pinguin in der Wüste – das wurde mir relativ bald klar. Und es ist einfach an der Zeit, mich nach dem passenden Meer umzuschauen, um dort leicht und frei wie der Pinguin schwimmen zu können, und nicht träge-traurig weiter in der Wüste zu verharren.

Es wird zwar alles ein Sprung ins kalte Wasser. Aber eben ins Wasser! Ich bin schon sehr gespannt und neugierig, was mich im „neuen Leben“ so alles erwartet. Ich werde berichten.

5 Gedanken zu “Wieder da…

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