Wir müssen die Bienen retten, sonst gehen wir unter. Diesen Aufruf sieht man immer öfter – zusammen mit einem Foto der Honigbiene. Die Imkerei erhält Zulauf, selbst in der Stadt hält man sich Bienen. Alles, um etwas zum Erhalt der Insekten beizutragen – und auch noch leckeren Honig zu ernten. Ja, irgendwo gibt es da auch noch diese „Wildbiennen“. Aber für die stehen ja schon „Hotels“ in vielen Gärten bereit, mit Tannenzapfen, Stroh, Hölzern und Lochziegeln drin. – Viele von ihnen eine Todesfalle!
Allein in Deutschland gibt es 540 verschiedene Wildbienenarten. Dazu zählen bekannte und beliebte Brummer, wie „die Hummel“. Dass es unter diesen „Hummeln“ verschiedene Arten gibt, mit verschiedenen Ansprüchen, ist den meisten Menschen gar nicht bewusst.
Erdhummel, Wiesenhummel, Gartenhummel, Baumhummel, Kuckuckshummel, …
Die einen nisten im Boden, die anderen nisten in Bäumen, wieder andere legen ihre Eier in fremde Nester, ähnlich wieder Kuckuck.
Innerhalb der verschiedenen Wildbienen-Gruppen existieren unterschiedliche Bedürfnisse, was das Nisten betrifft, aber auch die Nahrung. Blattschneiderbienen sind z.B. auf bestimmte Blätter angewiesen, aus denen sie Teile heraustrennen, um sie dann für den Bau ihrer Nistkammern verwenden. Andere schaben von bestimmten Pflanzen die haarige Oberfläche ab, um mit diesem Material ihre Nistbereiche auszukleiden.
Ein großer Teil der Wildbienen nistet im Boden, in wenig bewachsenen Stellen, aber auch in Löss-Abbruchkanten oder im Sand. Jene, die in Hölzern nisten, nutzen zum Verschluss Lehm, aber auch Steinchen, zerkleinerte Pflanzenteile, Harz und anderes Material.
Das klassische Wildbienen-Hotel aus dem Baumarkt bietet einen Großteil dieser Eigenschaften nicht. Wenn, dann nützen solche Nisthilfen den häufigeren Arten, wie z.B. der Gehörnten Mauerbiene. Und selbst ihnen kann eine schlechte Nisthilfe – von denen leider sehr viele auf dem Markt angeboten werden – relativ schnell das Leben kosten. Doch dazu später mehr Zunächst zum…
Standort
Eine Nisthilfe sollte immer an einem sonnigen bis halbschattigen Platz angebracht werden. Wobei Vollsonne besser ist. Am besten ist sie nach Süden oder Südosten ausgerichtet – niemals in Richtung der Wetterseite. Denn die Nisthilfe muss trocken sein und trocken bleiben. Daher ist auch ein Dach sehr wichtig. – Ob es nun auf der Nisthilfe angebracht ist, oder man die Nisthilfe unter ein Dach hängt. Werden die Nisthölzer nass, beginnt die Brut zu schimmeln und die Tiere sterben.
Diese Trockenheits-Regel gilt für alle Jahreszeiten! Denn viele der hier nistenden Wildbienen haben einen einjährigen Lebenszykus. Im März legt die Gehörnte Mauerbiene ihre Eier ab, nach einigen Tagen schlüpfen die Larven, beginnen sich fett zu fressen. Im Sommer verpuppen sie sich, verwandeln sich ins fertige Insekt, und in dieser Form überdauern sie den Winter in den Niströhren. Um dann im Frühling nach den ersten milden Tagen zu schlüpfen.
Die Nisthilfe
Es gibt wichtige Merkmale, an denen man sich orientieren kann, wenn man eine wirklich nützliche Nisthilfe kaufen (oder auch selbst bauen) möchte
- Die Bohrlöcher sollten im Idealfall nicht vorne in der Schnittstelle sondern seitlich ins Astholz gebohrt sein. Das verhindert die Bildung von Rissen, die dann eine Gefahr für die Brut darstellen.
- Das Holz sollte von Laubhölzern (am besten Hartholz) stammen. Bei Nadelhölzern besteht das Risiko, dass sich noch Harz bildet und die Brut abtötet.
- Besonders wichtig: Die Löcher müssen sauber gearbeitet sein, es dürfen keine Holzspäne oder -fasern abstehen. Die Bienen klettern vorwärts in die Röhre, um das Pollen-Nektar-Gemisch (Pollenbrot) einzubringen, dann kommen sie rückwärts heraus, um nun mit dem Hinterleib zuerst wieder hinein schlüpfen und das Ei abzulegen. Verhakt sich hierbei ein Flügel an einer abstehenden Holzfaser, kommt es zu Beschädigungen und im Extremfall zum Flügelbruch. – Dem Todesurteil für die Biene und ihren Nachwuchs!
- Auch bei hohlen Pflanzenstängeln ist Vorsicht geboten, es sollten keine Fasern abstehen. Zumal müssen sie auf der Rückseite verschlossen sein. Ansonsten werden sie nicht angenommen.
- Stängel mit Mark werden meist nur angenommen, wenn sie senkrecht angebracht werden, da diese Wildbienenarten nur von oben oder unten ihre Niströhren anlegen. Geeignet ist vor allem Brombeere, aber auch Distel-Stängeln und ggf. Holunder.
- Die Löcher in Hölzern sollten einen Durchmesser von mindestens zwei bis maximal zehn Millimetern haben. Andere Größen werden nicht angenommen.
- Die Löcher sollten idealerweise acht Zentimeter tief sein, es werden aber auch kürzere akzeptiert.
- In eine Wildbienen-Nisthilfe gehören Tannenzapfen genauso wenig wie Holzwolle, Lochziegelsteine mit länglichen Hohlräumen oder Stroh (von waagrechten Halmen als Niströhren abgesehen) Diese Materialien nutzen keiner Wildbiene, sie können ihnen sogar schaden. Denn man bietet hierdurch Gegenspielern die Möglichkeit, sich zu verstecken und auf die passende Gelegenheit zu warten. Dazu zählen Spinnen genauso wie Ohrwürmer oder auch Brut-Parasiten.
- Hohlräume, wie Fächer für Florfliegen oder Falter, haben in einer Wildbienennisthilfe ebenso nichts verloren. Man kann sie durchaus anderswo anbringen, aber eben nicht hier.
- Wer die im Boden nistenden Arten unterstützen will, der baut ein Sandarium und / oder legt einen Lössbereich an. Ob der Sand geeignet ist, zeigt die Sandkuchen-Probe: Wie beim Sandburgbauen den feuchten Sand in eine Form bringen und abwarten: Trocknet er ohne auseinander zu rieseln, ist er passend.
Wer eine Löss-Nistmöglichkeit bauen möchte, der sollte darauf achten, dass sie mindestens 15 Zentimeter stark ist. Nach dem Trocknen werden etwa zwei Zentimeter tiefe Löcher in den Löss gebohrt. Das ist ein Anreiz für die Bienen, hier zu graben und den Nachwuchs abzulegen. Man kann auch aus Sand und Lehm eine entsprechende Mischung herstellen. Allerdings ist es wichtig, dass das Verhältnis stimmt. Zu viel Sand lässt die Mischung am Ende bröckeln, zu wenig macht sie zu fest. Ein Verhältnis zwischen Lehm und Sand von etwa 1:8 kann passen. Ob es nicht zu fest ist, lässt sich durch eine Kratzprobe erkennen: Getrocknet sollte sich das Lehm-Sand-Gemisch leicht mit dem Nagel abschaben lassen.




Das Drumherum
Es ist wie im menschlichen Leben: Ein Hotel kann noch so schön sein – wenn es nichts Gutes zu essen gibt, wird keiner dort einziehen.
Nun gibt es Gärten, in denen der Lavendel blüht, Rosen duften und ein Apfelbaum nicht nur Früchte, sondern schöne Blüten bietet. Zu glauben, dass das ausreicht, ist ein Trugschluss.
Denn was nutzt die schönste Lavendelblüte, wenn sie erst beginnt, wenn die Flugzeit der Gehörnten Mauerbiene lange vorüber ist? Und was bringt es, wenn tausende Rosen im Beet blühen, die Zaunrüben-Sandbiene ihre Brut jedoch nur mit dem Pollen der Zaunrübe versorgen kann? Zwar gibt es eine solche Spezialisierung wie bei dieser Sandbiene nicht sehr oft im Wildbienen-Reich, aber viele Arten haben sich schon auf bestimmte Pflanzengruppen spezialisiert. Und dazu zählen Rosen, Apfelbäume und Lavendel nicht. Sie locken vor allem jene an, die nicht wählerisch sind – und daher auch nicht bedroht. Eine Schwarzbauchige Blattschneiderbiene benötigt u.a. die Blätter der Hainbuche, um daraus Stücke für ihre Nistkammern zu schneiden. Wenn sie kein passendes Baumaterial findet, wird auch diese Biene hier nicht auftauchen.

Glockenblumen, Hornklee, Wiesensalbei, Mohn, Natternkopf, Kätzchenweide, Königskerze,… – und ganz besonders: Disteln
Das ist ein Paradies für Wildbienen und Falter.
Wichtig ist außerdem, dass das ganze Jahr über etwas blüht. Und zwar im Umkreis von 150 – 200 Metern. Denn viel größer ist der Aktionsradius vieler Wildbienenarten rund um die Nisthilfe nicht.

Passend ist die Wiese hinter dem Caritaszentrum St. Alban in Bodenheim allemal. Daher habe ich im Zuge meiner Ausbildung zum Wildbienenbotschafter des BUND eine Wildbienennisthilfe gebaut. – Mit Unterstützung meines Vaters, der Weinküfer ist und sich mit dem Bau von Holzfässern ein wenig auskennt. Entstanden ist diese Nisthilfe, die noch nicht ganz fertig ist. Aber bald wird sie eingeweiht…



Ein sehr schöner und informativer Beitrag, der mit aussagekräftigen Fotos belegt ist. Das Insektenhotel finde ich ganz toll ,zudem mit sinnvolle Material verbaut. Diese Nistgelegenheiten werden von etwa 40 Arten aufgesucht. Die meisten der von dir beschriebenen 540 Arten sind jedoch Bodenbrüter. Ich habe zu den Behausungen in ähnlicher Form wie du sie gebaut hast , in meinem Garten noch ein Sandarium gebaut . Das bietet vielen Sandbienen eine Nistmöglichkeit , solche Nisthilfen sind sehr einfach zu bauen und finden im kleinsten Garten ein Platz . Auch Nisthilfen für Hummel sind mit wenigen Handgriffen schnell gebaut.
VG Werner.
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vielen herzlichen dank für diese außerordentlich wichtigen und, wie ich finde, noch viel zu wenig bekannten informationen!
mit dank und lieben grüßen zur nacht,
pega
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Solche und ähnliche Informationen findest du auf meinem Blog .
Der Vogelknipser
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Danke für den Hinweis!
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Hallo, gestern war eine weitere Aktion an der Nisthilfe und gleichzeitig an einem Beet des Caritas-Zentrums, wo die Nisthilfe steht. Dabei haben wir uns auch darüber unterhalten, dass u.a. in Baumärkten leider viele „Wildbienenhotels“ verkauft werden, die am Ende nur wenig nutzen und vielleicht sogar noch schaden. Das ist vielen Menschen leider immer noch nicht bekannt. Sie denken, sie tun etwas Gutes für die Bienen, und am Ende sind sie enttäuscht, da das Hotel teilweise gar nicht oder nur sehr schlecht angenommen wird. LG und schönen Sonntag
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Hallo Werner und danke für den Kommentar. Freut mich sehr zu hören, dass dir das Hotel gefällt. Das Sandarium ist auch noch geplant, rund um die Nisthilfe. Und Tothölzer werden wir als Umrandung des Beets auslegen, insektenfreundliche Stauden pflanzen. Und deinen Tipp mit dem Hummelkasten habe ich gestern bei der Dame von der Caritas angesprochen. 🙂 Ich denke, vorm Start der neuen „Saison“ werden wir hier noch einen bauen und aufstellen. Danke und schönen Sonntag
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Ich hatte den ganzen Sommer einen riesigen Wespenschwarm in meinem Haus, genau zwischen der ersten und zweiten Etage, im Fußboden. In der Zwischendecke quasi. Der Erbauer des Hauses hat leider tatsächlich wie Einflugsschneisen in die Wand gesetzt die in diesen Hohlraum führen. Wir dachten dadurch erst es wären Bienen. Aber es sind scheinbar Wespen. Ich habe unzählige aus dem Haus wieder raus gebracht ins Freie und niemand hat auch nur einen einzigen Stich. Am Ende des Sommers bin ich schon fast traurig, das sie jetzt alle sterben.
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Ja, auch Wespen sind sehr interessante und faszinierende Tiere. Und die meisten sind auch relativ friedlich, wenn man ihnen nicht zu nahe kommt. Es gibt aber auch manche Zeitgenossen, die ohne Vorwarnung zustechen. Im August arbeitete ich draußen und wie aus dem Nichts kam eine Wespe dunkel summend angeflogen, flog gegen meine Hand und stach direkt zu, prallte dann ab. Ich hatte weder geschlagen, noch hatte ich sie irgendwie bedroht. Zum Glück hatte sie mich nicht richtig getroffen. Aber die Wespen waren wohl dieses Jahr teilweise relativ mies gelaunt, da die Völker durch das feuchte und vor allem kühle Wetter extrem unter Druck standen, viele krank waren.
Toll finde ich die Tiere trotzdem. Und sie haben ja auch einen großen, ökologischen Nutzen. LG
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