Man sieht einen Igel in Nahaufnahme, in der unteren Bildmitte die Nase, links und rechts die Füße.

Heckenschweine im Winter

Es wird kalt! Heute fielen die ersten zarten Schneeflocken. Und mit dem Frost kam ein weiterer Igel zur Pflege zu mir. Jetzt habe ich dreimal das „Wildtier des Jahres“ im Nebengebäude. Doch was hat der Igel eigentlich für ein Problem?

Leider ist es nicht nur ein Problem, sondern eine Vielzahl, mit denen sich der Braunbrustigel herumschlagen muss. Das erkennt man an seinen Beständen, die nehmen leider immer mehr ab. Nicht umsonst steht er in vielen Bundesländern bereits auf der Roten Liste der bedrohten Arten. Vor kurzem wurde er zudem von der Weltnaturschutzunion als „potientiell gefärdete Tierart“ eingestuft.

Igel zusammengerollt, man sieht nur Nase und Beine herausschauen. Die Augen sind geschlossen

Der Insektenfresser leidet natürlich am Insektensterben, aber auch an mangelndem Lebensraum (was beides auch miteinander in Relation steht) Denn der Igel heißt nicht umsonst auf Englisch „Hedgehog“ – „Heckenschwein“. Fallen Hecken weg, verschwinden Totholz und Reisig-Bereiche, verschwindet nicht nur der Lebensraum des Igels. Sondern auch jener seiner Beutetiere, wie Käfer, die oftmals ihre Eier in Tothölzern ablegen.

Als Winterschläfer kommt der Igel nicht mit Wintern klar, die keine mehr sind. Er braucht kontinuierliche Temperaturen von unter 10°C, um im Winterschlaf zu bleiben.
Während des Winterschlafs sinkt seine Herzfrequenz von normalerweise 200 Schlägen pro Minute auf ganze 5. Seine Körpertemperatur reduziert sich von 36°C auf 8°C. Im Wachzustand nimmt er 30-40 Atemzüge pro Minute, während ihm während des Winterschlafs 1-2 ausreichen.
Durch den reduzierten Stoffwechsel spart er jede Menge Energie. Erwacht er allerdings aus dem Winterschlaf, da es zu warm ist, benötigt er dafür sehr viele Reserven. Und die kann er mitten im Winter, in dem Käfer & Co. aufgrund der Kälte als wechselwarme Tiere nicht aktiv sind, auch nicht durch Futtern auffüllen.

Schneckenkorn und andere Gifte werden ihm zum Verhängnis. Er wird zwar gerne als „Schnecken-Jäger“ gelobt, doch frisst er die nur, wenn er keine Insekten zur Auswahl hat. Auch Regenwürmer frisst er eigentlich nur selten. Das hat einen guten Grund: Schnecken und Regenwürmer tragen Eier von Parasiten in sich, wie Darm- und Lungenwürmern, die den Igel sehr krank machen oder töten.

Natürlich ist der Straßenverkehr eine tödliche Falle, aber auch der Rasen mit einem Roboter-Mäher. Der erkennt oftmals das „Hindernis Igel“ nicht, und der Igel läuft nicht weg. Die Folge: Er wird schwer verletzt oder direkt getötet.

Auch nicht richtig abgesicherte Pools oder Teiche können ein Igelleben kosten. Denn zwar können die Tiere schwimmen, aber wenn es keinen Ausstieg für sie gibt, ertrinken sie irgendwann entkräftet.

Es ist ein Trauerspiel. Und dabei sind es so tolle, interessante und schöne Tiere. Schaut euch mal das Sozialverhalten in diesen Videos an, die eine Igelmutter mit ihren Jungen an einer Futterstelle zeigt.

Der Igel, den ich heute aufgenommen habe, werde ich morgen wahrscheinlich ins Tierheim bringen. Denn er hat seit heute Abend Atemprobleme, es tritt Schleim aus einem Nasenloch mit Luftbläschen. Ein deutliches Symptom für eine Infektion der Atemwege. Zumal er auch nicht fit wirkt.

Igelnase in Nahaufnahme
Igelnase in Nahaufnahme

Dafür sind die beiden anderen momentan auf einem guten Weg: Aufgenommen mit 360g und 280g nähern sie sich jetzt 650g bzw. 450g. Ein gutes Zeichen, dass sie vielleicht noch Ende des Jahres mit 800g in den Winterschlaf gehen können.

Im Frühling werden sie dann ausgewildert. In eine Welt, die leider immer feindlicher für die Tiere wird. Da helfen ihnen auch die bis zu 8000 Stacheln wenig.

Igelstacheln in Nahaufnahme
Igelstacheln in Nahaufnahme

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