Sonne tanken…

Dieser Text steckt voller Sonnenschein. Also genau genommen voll regenerativer Energie. Denn er wird mit selbst erzeugtem Sonnenstrom geschrieben. Meine beiden Balkonkraftwerke funktionieren prächtig und von morgens bis abends ist die Grundlast komplett abgedeckt. Das heißt 2KWh Verbrauch pro Tag. Oder besser gesagt: Nacht

Gleichzeitig habe ich letztens im Radio gehört, dass zumindest im Südwesten Deutschlands nur verhältnismäßig wenige Haushalte bisher Balkonkraftwerke nutzen. Da frag ich mich warum und möchte einfach mal ein bisschen dafür werben. Denn es war alles gar nicht so kompliziert, und lohnt sich in jedem Fall.

Gut, eine Anlage hatte ich von der Naturstrom AG gewonnen, die zweite über einen Elektriker bestellt, der sie auch installiert hat. Dass ich den Elektriker eingeschaltet habe, hatte mehrere Gründe:

  1. Es gab eine staatliche Förderung für die erste Anlage durch den Kreis, der allerdings vorsah, dass ein Fachbetrieb die Installation vornimmt und – wichtig (!) – dass die Anlage ein VDE-Zeichen besitzt. Das ist ein Zeichen der Sicherheit, und ich wollte natürlich nicht, dass mir ein Balkonkraftwerk samt Wechselrichter auf dem Dach abfackelt oder um die Ohren fliegt.
    1. Da ich in einem Haus wohne, das 1950 gebaut wurde und entsprechend nicht die neuste Elektroinstallation besitzt, hätte ich auch ohne Vorgabe bei der Förderung lieber den Elektriker meines Vertrauens bemüht.
    1. Die Anlagen sollten auf dem Dach, und nicht auf dem angebracht werden. Denn … ich habe gar keinen Balkon. Und ich bin weder schwindelfrei, noch habe ich Ahnung, wie man eine Solaranlage auf den Dachziegel befestigt.
    1. Da ich aufgrund des Gewinns zwei Anlagen zur Installation habe, liegt die Leistung nun bei 1,2 kWp, und hier ist es notwendig, dass das Hausnetz geerdet ist. Aufgrund der alten Verkabelung ist das natürlich auch nicht der Fall. Deshalb muss der Elektriker diese Erdung noch vornehmen.

Ich hatte also ein paar gute Gründe, die beiden Anlagen vom Elektriker installieren zu lassen. Grundsätzlich kann man eine Anlage aber auch direkt mit Schuko-Stecker kaufen und diesen dann theoretisch in eine beliebige Steckdose stecken, wenn man sich sicher ist, dass die Verkabelung und Absicherung okay sind.

Die Ausrichtung nach Osten, Süden und Westen ist möglich, dann mit unterschiedlichem Wirkungsgrad. Meine beiden sind nach Südwesten ausgerichtet und der Neigungswinkel liegt ungefähr bei 35 Grad. Und das funktioniert ideal. Wichtig ist: Selbst der kleinste Schatten, z.B. durch einen Ast oder einen Hausgiebel verursacht, senkt die Leistung des gesamten Moduls massiv. Auch Schmutz oder Laub auf einem Solarmodul reduziert die Leistung.
Monokristalline Module sollte man den Polykristallinen vorziehen, da die monokristallinen auch dann noch ordentlich Strom erzeugen, wenn es bedeckt ist. Das kann ich nur bestätigen. Bei Sonne hatte ich nur einen Verbrauch von 2 KWh, bei Wolken einen von 4 KWh pro Tag.

Die Energieerzeugung pro Kraftwerk ist übrigens (noch) auf 600 Watt gedeckelt, diese werden dann ins Hausnetz eingespeist und die Grundlast sowie die zusätzlichen Energieverbraucher sind bis auf diese Höhe abgedeckt. Sinnvoll ist es daher, wenn man z.B. dann wäscht oder kocht, wenn die Sonne auf die Module scheint und Strom fließt. Der Strom, den man selbst nicht verbraucht, fließt ins öffentliche Netz und der Netzbetreiber freut sich.

Hat man wie ich das Glück, ein weiteres Kraftwerk zu gewinnen, oder man kauft sich eines, kann man die weiteren 600 Watt auch ins öffentliche Netz einspeisen. Dann braucht man allerdings einen Extra-Zähler (der kostenlos getauscht wird) und natürlich die passende Erdung / Verkabelung. Und man speist dann die 600 Watt des Kraftwerks und den nicht verbrauchten Strom des ersten Kraftwerks für 8,2 ct pro KWh Strom ins Netz. Also man wird damit nicht reich.

Egal ob man nur ins Hausnetz einspeist, oder ins öffentliche Netz: Man muss die Anlage im Markenstammdatenregister der Bundesnetzagentur registrieren. Das ist vorgeschrieben, ist aber auch kein Hexenwerk. Die meisten Angaben findet man in der Beschreibung des Balkonkraftwerks, einige sind persönliche Daten und das wars schon. Verblüffend wenig kompliziert.

Und wenn man dann noch geklärt hat, ob die Anlage über die Hausratversicherung abgesichert ist, steht einem „Sonne-Tanken“ nichts mehr im Wege. Dann wird auch die Affenhitze momentan ein wenig erträglicher, weil man weiß: Man trägt mit dem Balkonkraftwerk zur Energiewende bei, und somit dazu, dass wir in der Klimakrise vielleicht noch die Kurve kriegen.

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