Löwenzahnblüten

Ab in den Dschungel…

Ein Blick in den Garten nach einer Woche Urlaub und dauerndem Regen, war zunächst einmal wie der Blick in einen Dschungel. Vieles ist gewachsen, ja beinahe gewuchert. Speziell das „Unkraut“.

Brennnesseln hatten die erlaubten Bereiche überschritten und hingen über den Wegen. Eine Distel, die auf der Spitze meiner Kräuterspirale einen Platz gefunden hatte und vor dem Urlaub nur etwa 40 Zentimeter hoch war, war derart in die Höhe geschossen, dass sie umknickte und auf den Kräutern lag. Kein Zweifel: Sie musste weichen, damit mein Thymian noch weiter wachsen kann.

Dem Husten etwas husten…

Einen Teil des Thymians habe ich dann jedoch geerntet und die erste Kräutermedizin des Jahres angesetzt: Ein Extrakt, hergestellt mit Kornbrand. Nach einigen Wochen an einem sonnigen Plätzchen auf der Fensterbank hat der Korn schließlich jetzt die wertvollen Inhaltsstoffe des Thymians aufgenommen.

Da früher oder später mit Herbst und Winter auch wieder die Erkältungssaison ansteht, möchte ich dieses Jahr gewappnet sein. Oft leide ich während der kalten Jahreszeit unter trockenem Reizhusten, der im Rachen und Kehlkopf angesiedelt ist. Gerade im letzten Herbst lag ich drei Wochen mit einer Kehlkopfentzündung flach. Antibiotika, Asthmamedikamente und ein entzündungshemmendes Spray halfen allesamt wenig bis gar nicht. Dafür tat mit der Thymiantee recht gut.

Kein Wunder: Thymian wirkt schleimlösend, aber auch entkrampfend und antiseptisch. Er wird deshalb bereits seit Jahrhunderten gegen Husten eingesetzt. Und das praktisch ohne Nebenwirkungen.

Nachhaltige Gesundheitsvorsorge und Heilung sind mir ohnehin lieber, als das Schießen mit schweren Waffen auf Keime und gleichzeitig auch auf den Organismus. Jedes konventionelle Medikament hat neben einer Wirkung ja oft auch eine Nebenwirkung. Antibiotika bekämpfen beispielsweise neben Krankheitserregern vor allem auch die Darmflora und dort oft die gesunden Darmkeime. So schaden die Medikamente dem Darm, dem Immunsystem und dem gesamten Körper. Und das kann man als Erkältungsgeschädigter doch eigentlich gar nicht gebrauchen.

Zudem werden oft Antibiotika eingesetzt, obwohl eine Erkältung in den meisten Fällen von Viren verursacht wird. Gegen diese zeigen Antibiotika keine Wirkung und schaden ausschließlich Darmflora und Immunabwehr. Und die Viren lachen sich ins Fäustchen…

Ganz nebenbei entstehen durch die massiven Antibiotikagaben in der Humanmedizin, vor allem aber auch in der Massentierhaltung, antibiotikaresistente Keime. Erkrankt man dann an einer Infektion mit resistenten Erregern, ist die Medizin hilflos und man kann an einer einfachen Entzündung sterben.

Deshalb mache ich lieber einen großen Bogen um die großen chemischen Geschütze und verlasse mich auf die Natur. Denn diese hat viele Wundermittelchen in Petto.

Die beste Medizin…

Um eine Erkältung gleich von Anfang an zu unterbinden, das Übel quasi direkt an der Wurzel zu packen, habe ich bereits vor einigen Jahren ein sehr gutes Mittel entdeckt: Die Kapuzinerkresse.

Man kennt sie teilweise aus der Küche. Die Früchte der Pflanze werden wie Kapern eingesetzt, Blätter und Blüten verwendet man als Würze und zur Dekoration.

Zugleich ist die Kapuzinerkresse eine alte Heilpflanze und hat wirklich verblüffende Eigenschaften.

Denn sie wirkt nicht nur gegen Bakterien und hat ein Stück weit die Wirkung eines Penicillins – nur ohne Nebenwirkungen. Auch gegen Viren ist mit ihr ein Kraut gewachsen.

Bei all dem Lob war ich vor Jahren eher skeptisch, aber ich startete einfach mal einen Versuch: Dazu packte ich etwa zwei lockere Hände voll Kapuzinerkresse-Blüten in eine Flasche und füllte diese dann mit Apfelessig auf. Die Weißglas-Flasche stellte ich für etwa 6 Wochen an einen hellen Ort, auf den auch möglichst lange die Sonne schien. Alle paar Tage drehte ich die Flasche kurz um, damit die Blüten in Bewegung kamen und somit die gesunden Inhaltsstoffe besser an den Essig abgeben konnten.

Der Essig färbte sich nach einiger Zeit orange, ich siebte die Blüten ab und bewahrte den Essig auf.

Als ich dann im Herbst ein erstes Kratzen im Hals spürte, gab ich einen Esslöffel voll Essig in ein Glas, füllte den Rest mit kohlesäurehaltigem Mineralwasser auf, und trank das saure Gebräu.

Nach einigen Stunden trank ich noch ein zweites Glas. Und das Kratzen im Hals ließ nach, verschwand komplett! Das war ein tolles Erfolgserlebnis und ich wiederholte die Prozedur trotz des gewöhnungsbedürftigen Geschmacks immer, wenn ich ein Kratzen im Hals spürte.

Auf diese Weise stand ich sogar einen ganzen Winter ohne Erkältung durch, was bei mir normalerweise nie vorkommt.

Sicher hilft das Mittel nicht immer und auch nicht jedem, doch für mich ist der Kapuzinerkresse-Essig zu einer Art „Zaubertrank“ geworden.

Kapuzinerkresse ist außerdem eine sehr schöne Pflanze. Sie ist ein guter Beet-Partner für Kartoffeln, da sie Kartoffelkäfer fern hält. Also wächst sie auch dieses Jahr wieder in meinem Garten und ich werde bald damit beginnen können, die Blüten zu ernten.

Auch der „Gewöhnliche Andorn“, eine alte und selten gewordene Heilpflanze, die zudem auch gute Bienenweide ist, steht in meinem Garten. Dieses Jahr werde ich das Heilkraut zum ersten Mal ernten und nutzen. Es handelt sich bei ihm um eine Art von Bitterdroge, die auch gegen Bronchitis und Keuchhusten eingesetzt werden kann. Das besagt zumindest die Pflanzenheilkunde. Nun heißt es, auch die Wirkung dieser Pflanze zu testen.

Gutes für den Magen

Eine weitere Heilpflanze, die ich bereits ausprobiert habe und die eine deutliche Wirkung erzielt, ist die „Echte Malve“. Sie gehört zu den Schleimdrogen und kann daher auch gegen Hustenreiz eingesetzt werden. Ich hatte sie allerdings vor einigen Jahren verwendet, als mich Sodbrennen plagte. Die Schulmedizin wollte mich dauerhaft mit einem Protonenpumpenhemmer behandeln, der eigentlich gar nicht länger als 8 Wochen eingenommen werden soll. Als ich das Mittel nach etwa 10 Wochen eigenmächtig abgesetzt habe, war das Sodbrennen schlimmer als zuvor: Bei jedem Essen und Trinken trat es auf.

Daraufhin entschied ich mich, der Pflanzenheilkunde eine Chance zu geben und stellte einen Kaltauszug aus getrockneten Malvenblüten her. Dazu gab ich 2-3 Teelöffel Blüten in eine Glaskanne, füllte mit kaltem Wasser auf. Nach ein paar Stunden Ziehen siebte ich die Blüten ab und kostete die schleimig erscheinende Flüssigkeit. Sie schmeckte nur ganz leicht süßlich. Dreimal am Tag trank ich nun ein Glas davon, dies eine Woche lang. Dann legte ich eine Woche Pause ein, trank wieder eine Woche lang den Auszug und wiederholte die Prozedur ein weiteres Mal. Als ich mit dieser Kur fertig war, war auch das Sodbrennen völlig verschwunden.

Seitdem blühen Malven in meinem Garten, geben den Insekten Nektar und warten wieder auf ihren Einsatz…

Honigbiene auf Malvenblüte

Heilkraft der Natur

Dabei sind nicht nur die kultivierten Pflanzen wahre Wundermittel gegen Erkrankungen. Auch so genannte Unkräuter können die Gesundheit unterstützen.

Dazu gehört beispielsweise die Brennnessel. Eine Art Kur kann im Frühjahr zur Entgiftung und Entschlackung des Körpers dienen. Und auch bei Entzündungen im Bereich der Harnwege kann die Nessel zur Heilung beitragen. Auch bei Nierengries und kleinen Nierensteinen wirkt sie Wunder. Denn sie wirkt harntreibend.

Brennnessel mit Blüten
Honigbiene auf Malvenblüte

Der Löwenzahn ist voll von Bitterstoffen. Diese wirken positiv auf die Leber und somit auf die Verdauung. Liegt einem eine fettige Speise im Magen oder ist einem einfach übel, reichen oftmals ein paar Blätter des Löwenzahns und schon wird die Verdauung angeregt, die Symptome verschwinden.

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Löwenzahnblüten

Momentan blüht der Spitzwegerich auf Wiesen und an Wegrändern. Als ich letztes Jahr im Urlaub von einer Rinderbremse am Hals gebissen wurde, wurde ich fast wahnsinnig wegen des Juckreizes, der quasi sofort einsetzte. Eine dicke Schwellung und Entzündung begann und ich fürchtete schon, eine Apotheke aufsuchen zu müssen. Doch ich war mitten in der Natur unterwegs und kam zufällig an einem Spitzwegerich vorbei. Ich rupfte zwei der spitzen Blätter ab, kaute ein wenig darauf herum und drückte sie schließlich auf den Biss. Das Gemisch aus Speichel und Wirkstoffen des Spitzwegerichs, tat seine Wirkung: Der Juckreiz ließ nach und die Schwellung ging innerhalb einer halben Stunde deutlich zurück. Ein weiteres Blatt Spitzwegerich und bald war der Biss fast vergessen…

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Spitzwegerich mit Blüte

Es gibt wirklich ein breites Spektrum von Heilpflanzen, aber auch von Unkräutern, die der Gesundheit gut tun. Daran hat mich auch die Explosion von Unkräutern im Garten wieder erinnert. Neben der gezielten Anwendung gegen Erkrankungen, entfalten viele Heilpflanzen und Unkräuter auch eine vorbeugende Wirkung. Und sie stehen bei mir öfters mal auf dem Speiseplan.

Ein besonders leckeres Beispiel hierfür ist eine Lasagne, hergestellt aus Brennnesseln und Giersch, als Ersatz des Spinats. So wird die Unkrautschwemme im Garten am Wochenende bei mir im Kochtopf landen. Das ist gesund, lecker, nachhaltig und ganz praktisch. Und Schnecken, die in Zukunft durch die milden Winter immer öfter die Salatbeete leer räumen werden, verschmähen sowohl Giersch als auch Nesseln…

Wichtig ist es dabei, nur ein Kraut zu verwenden, das man absolut sicher bestimmen kann. Ist dies der Fall, kann man das schlimmste Unkraut hervorragend nutzen, von den gesunden und leckeren Eigenschaften der Wildkräuter profitieren. Und einen positiven Blick auf die Dinge werfen: Schnell wandelt sich dann beim Blick in den Garten das Bild von einem unübersichtlichen Dschungel hin zu einem kleinen Schlaraffenland…

 

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