Die momentanen Wetterkapriolen sind im wahrsten Sinne des Wortes eine Katastrophe! Massive Niederschläge – so viel Regen innerhalb von 24 Stunden, wie er sonst in einem Monat fällt. Kein Wunder, dass momentan Dörfer und Städte unter Wasser stehen.
Doch es sind jene Unwetterereignisse, die die Klimaforscher seit Jahrzehnten vorhersagen. Wärmere Luft kann einfach mehr Feuchtigkeit aufnehmen. Und da der Mensch weiterhin kräftig Treibhausgase ausstößt, sorgt er für steigende Temperaturen und damit auch für eine Häufung von Extremwetterlagen.
Selbst die Bundeskanzlerin, die sich so sehr für einen wirkungsvollen Klimaschutz ausgesprochen hat, rudert zurück: Es kommt zu einer Deckelung des Ausbaus der Erneuerbaren Energien, weil angeblich Leitungskapazitäten fehlen und die Kosten durch den Ökostrom für alle weiter steigen würden. Besonders absurd ist dabei die Tatsache, dass durch den vermehrt eingespeisten Windstrom im Norden, der auch ins Ausland exportiert wird, fossile Kraftwerke nicht mehr rentabel sind! Der Strom ist also billiger als der von fossilen Kraftwerken, aber man deckelt ihn, weil er angeblich zu teuer ist? – Wo steckt hier die Logik? Sicher, es ist die Speichertechnik, die noch nicht ausgereift ist. Und es sind eben die fehlenden Leitungen in den Süden…
Doch all dies kann nicht die Begründung für eine Deckelung der Erneuerbaren sein. Auch nicht das Argument der höheren Kosten durch den Leitungsausbau. Schließlich rechnet ja auch keiner die Kosten aus, die durch die Atomenergie auf uns alle zukommen. – Für Zwischen- und Endlagerung oder die Haftung bei Schäden…
Man empört sich über Windräder, die die Landschaft verschandelt, was sicher Ansichtssache ist. Doch wie sieht es eigentlich mit dem Tagebau aus, der ganze Landschaften verschlingt, oder mit den hässlichen rauchenden Schloten von Kohlemeilern? Es werden ganze Dörfer dem Erdboden gleich gemacht, die dem Tagebau im Wege stehen!
Daher: Wir brauchen einen gezielten, durchdachten und ausgewogenen Ausbau der Erneuerbaren – und keine Deckelung! Denn eine Deckelung der Erneuerbaren bedeutet auch eine Deckelung des Klimaschutzes… Und die fordert angesichts der Bilder, die momentan über unsere Bildschirme flackern, sicherlich kein Mensch ernsthaft.
Doch nicht nur der fortschreitende Klimawandel ist verantwortlich für Überflutungen, wie wir sie momentan in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen sehen. Zugleich werden nämlich auch immer mehr Bäche und Flüsse kanalisiert, begradigt, Flächen werden versiegelt, Wälder abgeholzt, Hänge kahlgeschlagen, Moore trockengelegt. Die Siedlungen fressen sich immer weiter auch in ehemalige Überflutungsgebiete der Flüsse und Bäche. Somit ist am Leid der Menschen, die momentan Leben, Gesundheit und Hab und Gut verlieren, auch ein Fehlverhalten und eine Fehlplanung der Menschheit schuld.
Anpassung ist nötig
Es wird auf Dauer eine Anpassung an den Klimawandel notwendig sein. Diese darf jedoch nicht darin bestehen, Dämme immer höher zu bauen. Wir müssen aus Fehlern lernen! Mit der Vorschlaghammer-Methode wird die Menschheit keinen Erfolg haben. Die Naturgewalt ist größer, als das größte Bollwerk, das Menschen erschaffen können.
Wir müssen endlich damit aufhören, die Welt an unsere Bedürfnisse anpassen zu wollen. Vielmehr müssen wir uns an die Bedürfnisse der Welt anpassen.
Denn wenn eine Denkweise zu einem Problem geführt hat ist es nicht gerade sinnvoll, mit der gleichen Denkweise zu versuchen, das Problem zu beseitigen. Ein Perspektivwechsel ist nötig!
Ein Blick in den Garten…
Es beginnt schon im Kleinen beim Blick in den Garten: Mein Gartennachbar streut seit Monaten fleißig Schneckenkorn, um den schleimigen Tieren den Garaus zu machen und seine Pflänzchen zu schützen. So streut er beinahe wöchentlich die blauen Körnchen. Am Ende hat er den Bestand an Schnecken zwar etwas dezimiert, dafür aber auch den Igel vergiftet, der eigentlich die Schnecken gefangen hätte und der einige vergiftete Exemplare gefressen hat. Somit hat er einen Verbündeten gegen die Kriechtiere aus dem Weg geräumt und eine nachhaltige Chance der Schädlingsbekämpfung vertan. Er muss weiter Gift streuen und am Ende fressen ihm die Schnecken doch die Pflanzen ab.

Hätte er besser einen Schneckenzaun aufgestellt. Der kostet zwar in der Anschaffung zunächst einmal mehr. Doch wirkt er deutlich länger und nachhaltiger als Schneckenkorn: Er hält die Tiere einfach fern vom leckeren Grün. Neben Schneckenzäunen gibt es auch Schneckenkragen, die man um einzelne Pflanzen anbringt. Hätte er dann noch einige Sträucher und einen Laubhaufen als Unterschlupf für einen Igel im Garten belassen, anstatt alles aufzuräumen und den Igel indirekt zu vergiften, so hätte er auch gleich einen natürlichen Feind angesiedelt. Das Gift hätte er sich dann sparen können.

Mehr Miteinander
Dieses Sinnbild lässt sich auf viele Probleme unserer Zeit übertragen. Wir sollten mehr dazu übergehen, etwas miteinander und konstruktiv zu gestalten, anstatt uns gierig alles einverleiben zu wollen. Wir sollten mit mehr Verständnis für die Natur und die natürlichen Prozesse handeln – und weniger mit menschlichem Egoismus.
Denn am Ende kommt dieser Egoismus, diese Rücksichtslosigkeit, ein Stück weit in unsere Keller geschwappt, reißt unsere Häuser davon – und frisst unseren Salat!

