Bald beginnt wieder die Pflanzsaison. Egal was man anbaut – ob Nutz- oder Zierpflanzen: Der Erfolg hängt vor allem auch vom Boden und den darin befindlichen Nährstoffen ab. Zudem haben Pflanzen unterschiedliche Bodenansprüche. Während die Heidelbeere eher auf saurem Boden, ähnlich dem Waldboden, wächst, mögen es andere Pflanzen eher sandig. Während Starkzehrer, wie Kürbisse, Kohlsorten und Tomaten eine Düngezugabe mit frischem Mist bevorzugen, tut das der Möhre beispielsweise überhaupt nicht gut. Insgesamt ist es also sinnvoll, sich Gedanken über die Bodenbeschaffenheit zu machen. Und dann eben entsprechend im Gartencenter die geeignete Erde zu kaufen.
Finger weg vom Torf!
Viele greifen dabei noch immer auf torfhaltige Erde. Diese vermeide ich jedoch schon seit längerer Zeit. Denn Torf stammt aus den letzten Hochmoorgebieten Europas. Diese äußerst speziellen Lebensräume und Naturparadiese beherbergen Tiere, die sich extrem auf den moorigen Lebensraum angepasst haben. Schwindet das Moor, verschwinden auch diese Tiere. Oftmals gehören sie zu den letzten ihrer Art. Neben dem Artenschutz ist es vor allem auch der Klimaschutz, der mich zum Umdenken bewegt hat. Denn ein Hochmoor fungiert als natürlicher Puffer, als Speicher für die Klimagase in der Atmosphäre. Es speichert große Mengen an Treibhausgasen. Legt man das Moor trocken, entweichen diese großen Mengen in die Atmosphäre und heizen weiter den weltweiten Treibhauseffekt an. Hinzu kommt, dass Moore auch als natürliche Grundwasserspeicher gelten. Gerade in Zeiten des Klimawandels, infolgedessen es immer mehr Trockenperioden und Dürren geben wird, aber auch Starkregen mit benötigten Überflutungsflächen, sind Moore wichtiger denn je. Ganz nebenbei ist der Torf ein überschätzter Rohstoff im Gartenbau. Vor allem für das Anwachsen von Jungpflanzen ist er nicht wirklich geeignet. Denn er saugt zwar Wasser auf wie ein Schwamm. Doch wenn er einmal austrocknet, zieht er sich zusammen, kann so kein Wasser mehr aufnehmen. Die Folge ist, dass die Wurzeln junger Pflanzen dadurch unter Druck gesetzt und an der Entwicklung gehindert werden. Der Wurzelballen mit dem Torf verklumpt und die Pflanze wird somit kümmerlich und jämmerlich zugrunde gehen.
Die Alternativen
Eine Alternative zu torfhaltigen Erden ist in so ziemlich jedem Gartencenter zu finden. Es handelt sich um torffreie Erden, die auf Kompost basieren. Sie sind in jedem Fall die geeignete Alternative zu herkömmlichen Torferden. Für die Aussaat von Gemüsepflanzen und Blumen wird zudem Erde angeboten, die aus Kokosfasern besteht. Sie soll ein Keimen und Anwachsen der Jungpflanzen einfacher machen. Ich habe hier allerdings bereits die Erfahrung gemacht, dass die Saat schon aufging, sie dann aber kümmerte, zum Stillstand kam, da sie offensichtlich keine Nährstoffe erhielt. Daher wäre bei der Anwendung von Kokosfasern ein natürlicher Dünger zusätzlich zu empfehlen.
Doch es muss nicht einmal ein Produkt aus dem Gartencenter sein, das den Pflanzen zu Nährstoffen und Kraft verhilft. Das Kompostwerk um die Ecke, in dem Garten- und Bioabfälle in nährstoffhaltige Erde verwandelt werden, kann eine Alternative zum Gartencenter sein. Der Kompost ist nicht viel schlechter und oftmals kostet dort ein ganzer PKW-Anhänger davon genauso viel, wie ein 40-Liter-Sack aus dem Gartencenter.
Zudem kann man auch selbst sehr guten Kompost herstellen. Das klingt komplizierter, als es ist. Und manche Beschreibungen erzeugen schon Schweißperlen auf der Stirn des Gärtners, allein beim Gedanken an die bevorstehende Arbeit. Ich habe mir vor Jahren einen Komposter aus Kunststoff gekauft. Darin entsorge ich Küchenabfälle, gemischt mit Grünschnitt und anderen Gartenabfällen. Der Abfallwirtschaftsbetrieb meines Landkreises hat den Kauf des Komposters sogar bezuschusst und bis heute erhalte ich einen „Eigenkompostierer-Rabatt“ auf die jährliche Abrechnung.
Zu beachten bei der Kompostherstellung ist vor allem, dass gekochte oder gewürzte Küchenabfälle in einem solchen Komposter nichts zu suchen haben. Auch Fleisch, Wurst, Käse oder Brot gehören in die Biotonne, nicht in einen gewöhnlichen Komposter. Ansonsten ist einem der Besuch von Mäusen und Ratten gewiss. Was im Komposter landen darf, sind beispielsweise Schalen und Stücke aller Obst- und Gemüsesorten (nur unbehandelt, also Bio!), Eierschalen (zerdrückt), Kaffeesatz mit Filter und Teebeutel. Auch Gartenabfälle dürfen auf den Kompost, allerdings nur solche von gesunden Pflanzenteilen. So sollte man beispielswiese die Tomatenpflanzen mit Schwarzfäulebefall oder die an Mehltau erkrankten Blätter der Rosen besser in der Biotonne entsorgen. Ansonsten holt man sich die Pilzsporen nämlich wieder aufs Beet und riskiert eine Neuansteckung der Pflanzen in der folgenden Saison. Unkräuter können auf dem Kompost landen, vorausgesetzt sie tragen keine Samen und auch die Wurzeln sollte man besser in die Biotonne werfen. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass sich der Giersch mit seinen hartnäckigen Wurzeln, einmal auf dem Kompost gelandet und dann im Garten verteilt, hemmungslos ausbreiten kann. Hält man Kleintiere, also Hamster, Kaninchen, Meerschweinchen & Co., kann man das benutzte Streu natürlich auch auf dem Kompost „entsorgen“. Gleiches gilt für kompostierbares Katzenstreu. Und wer ein Süßwasseraquarium hat, der ist gut beraten, das regelmäßig gewechselte Wasser auf den Kompost zu schütten. Denn so landen sehr viele Nährstoffe an der richtigen Stelle.
Außerdem tut dem Kompost eine regelmäßige Wassergabe sehr gut. Er braucht sie, um sich zu entwickeln. Zwar sollte ein Kompost nicht zu nass sein, doch auch Trockenheit vertragen die vielen Mikroorganismen darin gar nicht. Man sollte hier eine Balance finden, die ich durch das wöchentliche Einfüllen von gewechseltem Aquarienwasser herstellen konnte. Regenwasser dringt in das Gerät schließlich nicht ein, denn es wird nach oben hin mit einem Deckel verschlossen, um ein Eindringen von Schädlingen wie Mäusen und anderen Nagern zu verhindern.
Man zusätzlich regelmäßig eine dünne Schicht Hornmehl im Kompost einbringen. Das beschleunigt die Entwicklung zu guter Erde. Ja, man kann sogar die eigenen Nägel nach der regelmäßigen Mani- und Pediküre auf den Kompost werfen und somit einen ganz persönlichen Beitrag zum Gelingen leisten. 🙂
Zurück zur Natur
Eine weitere und vor allem nachhaltige Möglichkeit, Pflanzen kontinuierlich mit Nährstoffen zu versorgen, stammt aus der Permakultur, einer völlig nachhaltigen Kulturform im Garten. Mit dem Ausbringen einer etwa 2-3 Zentimeter hohen Mulchdecke aus Laub, gehäckselten Ästen, Grasschnitt und ähnlichem Material, unter Sträuchern und Pflanzen, trifft man gleich drei Fliegen mit einer Klappe. Die Mulchdecke verhindert den Wuchs von Unkräutern, sie hält den Boden feucht und somit muss man nicht so oft gießen. Außerdem entsteht durch sie kontinuierlich eine Schicht, die den Pflanzen die nötigen Nährstoffe liefert. Dieses Prinzip ist Jahrmillionen alt, die Natur verwendet es bis heute im Wald. Bäume entwickeln Blätter, werfen sie im Herbst ab, sie fallen zu Boden, werden dort zersetzt, Nährstoffe werden frei und von den Wurzeln der Bäume wieder aufgenommen.
Eine weitere Möglichkeit, Pflanzen Nährstoffe zuzuführen ist der Einsatz von Pflanzenjauchen. Eine Brennnesseljauche wirkt beispielsweise pflanzenstärkend und führt Nährstoffe zu. Zur Herstellung der Jauche füllt man einen Eimer etwa zu einem Drittel mit Brennnesselblättern und -stielen, das restliche zwei Drittel füllt man mit Wasser auf. Nun lässt man den Eimer eine Woche lang abgedeckt stehen. Die Jauche riecht zwar ein wenig seltsam, doch sie wirkt Wunder.
