Links Verpackungsmaterial, rechts Inhalt

Alles nur Verpackung

Heute musste ich mal wieder an meinem Drucker die Tintenpatronen wechseln. Nicht nur, dass die Patronen bei mindestens 25% Inhalt bereits als leer erkannt werden: Heute ärgerte mich auch die Tatsache, dass man die große Patrone mit schwarzer Farbe in eine Plastikbox gepackt und mit einer weiteren Kunststoff-Innenverpackung darin „gesichert“ hatte. Die anderen vier Patronen wurden natürlich in einer separaten Plastikbox mit einer ebensolchen Innenverpackung angeboten. Während ich so da saß und den ganzen Müll betrachtete, der nun mal wieder angefallen war, stellte ich Inhalt und Verpackung einmal gegenüber. Und ich war erstaunt: Es ist doch verblüffend, wie unsinnig hier mit Rohstoffen umgegangen wird! Sicherlich täte es auch eine kleine Plastikhülle, um die Patronen für Transport und Verkauf zu schützen. Aber nein: Erst große Hülle, dann kleinere Hülle, dann ein Kunststoffverschluss zum Schutz der Farböffnung. Und dieser ist dann auch noch mal mit einer Plastik-Banderole geschützt. So viel Schutz für eine Patrone, jenes kostbare Gut, das bei 25 % Inhalt ohnehin leer ist, obwohl sie eben nicht leer ist… Die alte, nicht restentleerte Patrone wandert nun in den Müll. Laut beiliegender Gebrauchsinformation, die ausnahmsweise nicht aus Plastik sondern aus Papier besteht, steht geschrieben, dass die Farbe „weniger als 30% Bestandteile mit unbekannter Gewässergefährdung“ enthält. Na immerhin… Es sind ja auch nur 30% von den nicht restentleerten 25%, die in den Abfall wandern und neben unbekannter Gewässergefährdung nur ein paar allergische Reaktionen hervorrufen können.

Die Plastik-Schwemme

Allergische Reaktionen könnte bei mir allmählich wirklich der Verpackungswahn hervorrufen. Kauft man Käse im Supermarkt, ist er in derart dicke Plastikverpackungen gehüllt, dass man sich fast an Tupperware erinnert fühlt. Nur dass diese Plastikverpackung nach einmaligem Gebrauch direkt im Müll landet, wenn der Käse gegessen ist… Joghurt gibt‘s in Plastikbechern, Äpfel sind in Plastikbehälter verpackt, Bananen in Plastik eingeschweißt und Brot gibt‘s geschnitten vom Fertigbäcker in Plastiktüten. Obst kauft man lose in Plastiktüten, in der Apotheke wird man gefragt, ob es denn ein Tütchen sein darf. Im Gefrierfach schützen Einweg-Plastiktüten vor Gefrierbrand. Die Milch ist im Tetrapack erhältlich, der auch Plastik und Aluminium enthält. Schokolade, Müsliriegel und überhaupt fast alles, ist heute in Plastik verpackt. Plastik ist überall präsent. – In manchem Kühlschrank steht mehr Plastik als Lebensmittel. In der Donau, so lautete jüngst eine Studie, treiben mehr Plastikteilchen als Jungfische. Und in den Weltmeeren existieren riesige Müllstrudel, die die Größe Mitteleuropas erreicht oder gar überschritten haben.

Gift in kleinen Dosen

Dass Plastik oftmals Gifte und Weichmacher enthält, dass es im Verdacht steht Allergien auszulösen und teilweise auch Krebserkrankungen zu fördern, stört die Industrie offenbar nicht. Sie verdient ja auch mit billigen Verpackungsmaterialien, wir bezahlen diese regelmäßig an der Ladentheke mit. Sie sind im Preis praktisch mit drin, und wir zahlen deren „Entsorgung“ über das Umlagesystem vom „Grünen Punkt“. Dabei wird das meiste Plastik gar nicht Recycelt, sondern allenfalls „downcycelt“. Das heißt, es kann gar nicht mehr für qualitativ hochwertige Produkte verwendet werden, sondern landet als Füllmaterial in der Autoproduktion.

Viele Verbraucher machen einfach weiter wie bisher, obwohl sie von den Risiken und Problemen der Kunststoffverpackungen wissen. Oft auch mangels Alternativen. Und in manchen Fällen ist es wirklich schwierig. So z.B. bei diesen vermaledeiten Tintenpatronen mit ihrer Plastikverpackung. Doch es gibt gerade im Lebensmittelbereich viele Möglichkeiten, Plastik zu vermeiden. Dies wird auch mein erster praktischer Test sein. Und der wird in Kürze starten. Dann gehts der Verpackung ans Eingemachte…

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