Die Welt steht Kopf

Seit meinem ersten Eintrag ist ein wenig Zeit ins Land gegangen. Und es ist einiges passiert auf der Welt.

Wir haben eine Flüchtlingskrise, die die Europäische Union entzweit. Ich komme nicht drumherum, hierzu einige Worte zu verlieren. Schließlich liegen die Ursachen von Flüchtlingskatastrophen meist in einem egoistischen, wenig nachhaltigen Handeln. Und daran sind nicht nur die Entwicklungsländer oder „Schurkenstaaten“ schuld, deren Staatschefs natürlich korrupt und oft wenig demokratisch sind. Es ist auch das Handeln der reichen, westlichen Staaten und ein Stück weit auch das Handeln jedes Einzelnen von uns, der die Menschen erst in die Not treibt, nach Europa fliehen zu müssen.

Das Geschäft mit dem Tod

Wer Waffengeschäfte mit Bürgerkriegsstaaten durchführt oder beispielsweise die syrische Opposition gegen Assad mit Waffenlieferungen unterstützt, der mischt sich aktiv in den Bürgerkrieg ein. Und der leistet mit seinen Waffenlieferungen einen Beitrag zu den Flüchtlingsbewegungen. Er sorgt für Tod, Verwüstung, Flucht und Elend. Und er profitiert zugleich vom Leid der Menschen, indem er sich die gelieferten Waffen natürlich auch bezahlen lässt. So verdienen nicht nur deutsche Rüstungskonzerne Geld durch das Elend in Syrien und anderswo.

Klimawandel und Ausbeutung

Ausgetrockneter Rhein 2015
Der Rhein nur ein Schatten seiner selbst: Nach dem trocknen Sommer 2015…

Ein weiterer Grund für Flüchtlingsbewegungen sind prekäre Lebensverhältnisse im eigenen Land. Ernteausfälle, Dürren und der Preisverfall treiben viele Menschen in die Flucht. Sie können dort, wo sie lebten, einfach nicht mehr existierien. Hintergrund ist hierbei, neben Misswirtschaft im eigenen Land, natürlich besonders der Klimawandel. Dieser wurde mehrheitlich von den Industriestaaten verursacht und wird weiterhin angeheizt. Während Menschen im Sudan durch Dürren und Hungersnöte sterben, denken die Industriestaaten schon darüber nach, wie man die Folgen des Klimawandels wirtschaftlich nutzen und somit in der Arktis nach Öl bohren kann! Das Eis schmilzt dort schließlich und da kommen wieder neue Begehrlichkeiten auf. Man hat nicht aus den Fehlern gelernt, sondern hat bereits die Dollarzeichen in den Augen. Man sieht das Öl sprudeln und will auch dieses wieder verfeuern, heizt somit die Klimaerwärmung immer weiter an. Und mit ihr zugleich die Not in den Entwicklungsländern. Als wäre das nicht genug, „erwirbt“ man fruchtbares Ackerland in Entwicklungsländern und armen Staaten. Das heißt, man „kauft“ es den Bauern vor Ort für einen Spottpreis ab. Dabei geben die Landwirte oftmals ihren Grund und Boden erst unter Androhung von Gewalt her oder werden einfach enteignet. Auf ihrem Land bauen Großkonzerne aus Industriestaaten entweder Energie liefernde Pflanzen an, die dann als Bioethanol in deutschen und europäischen Motoren oder Kraftwerken als „Beitrag zum Klimaschutz“ verbrannt werden. Oder sie bauen Futterpflanzen an, um die Milliarden Tiere in den Ställen der Massentierhaltung Europas, Asiens, Amerikas oder Australiens fett zu füttern. Wofür auch immer die Erträge der Ackerflächen verwendet werden: Den Landwirten vor Ort wird ihre Lebensgrundlage gestohlen. Sie leiden Hunger und Not. Und in den Industriestaaten landen im Gegenzug massenaft Überschüsse aus der Lebensmittelproduktion im Müll! Als wäre dies immer noch nicht genug, überschwemmt man die Märkte der Entwicklungsländer mit subventionierten Landwirtschaftsprodukten. Geiz ist geil gilt auch hier und die einfachen Landwirte können ihre Produkte gar nicht so billig verkaufen, ohne unterzugehen! Sie können nicht mit hochsubventionierten Lebensmitteln aus Europa und Amerika konkurrieren.

Konzerne beuten Bodenschätze, wie seltene Erden (für die Produktion von Technik), Öl oder Gas aus. Und dies meist ohne dass die Bevölkerung hieraus einen Vorteil ziehen würde. Sie bekommt vielmehr die giftigen Abfälle, verseuchte Flüsse und verwüstete Landschaften als Dank. Zugleich baut man in den Entwicklungsländern und bettelarmen Staaten Fabriken auf, da man hier niedrigste Löhne zahlen und sogar auf Kinderarbeit zurückgreifen kann. Man beutet somit nicht nur die Länder aus, sondern auch deren Menschen. Und es ist sicherlich in vielen Fällen überhaupt nicht vermessen zu sagen, dass es sich hierbei um eine Form der Sklaverei des 21. Jahrhunderts handelt!

Mit all diesem Leid haben wir etwas zu tun! Wir profitieren davon durch billigste Preise, es profitiert unsere Wirtschaft und unser Staat. Jeder von uns unterstützt mehr oder weniger mit jedem Einkauf dieses irrsinnige System. Wenn mir vor diesem Hintergrund noch jemand erzählen möchte, dass wir doch gar nichts mit dem Leid der Flüchtlinge zu tun hätten und daher auch gar nicht helfen müssen, dann bleibt mir eigentlich nur noch ein müdes Lächeln! Und die Aufforderung, mal Augen und Ohren zu öffnen!

Die Mitverantwortung

Wir sind zumindest mitverantwortlich für das, was dort draußen passiert. Wir sind nicht alleine dafür verantwortlich und können natürlich auch nicht alle Menschen bei uns aufnehmen, die in Not sind. Doch wir können und müssen unseren Beitrag zur aktuen Krise leisten, müssen jedoch zugleich unsere Handlungsweise, unser Konsumverhalten und unsere Einstellung zum Konsum überdenken. Dies wäre der nachhaltigste Weg aus der Flüchtlingskrise und ein Beitrag zu einer gerechteren Welt.

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